Archiv · 2015 · Produktion 2 von 10

Bühnenbild einer Bauernstube mit Anrichte, gedecktem Tisch und Blick durch ein Fenster auf ein Pferd, davor Kürbisse und Herbstdeko auf der Treppe zur Bühne.

Bauer Anton erntet, was er säht

Als sich die schwerhörige Großmutter zum Nachmittagsbesuch ansagt, will Bauer Anton ihr ein Festessen zaubern – doch seine Großzügigkeit gegenüber einer stets in Not geratenen Nachbarin und ein schadenfroher Hahn bringen die Planung gehörig durcheinander.

Als sich die schwerhörige Großmutter zum Nachmittagsbesuch ansagt, will Bauer Anton ihr ein richtiges Festessen auf den Tisch zaubern. Doch kaum hat er Milch, Eier und Mehl organisiert, steht auch schon die aufgeregte Nachbarin vor der Tür – und wieder, und wieder. Zwischen einem faulen, schadenfrohen Hahn, der heimlich am Telefon Unfug treibt, einer verliebten Henne und jeder Menge Missgeschicken bleibt am Ende buchstäblich nichts mehr übrig für das große Festmahl. Doch manchmal kommt die schönste Überraschung genau dann, wenn man sie am wenigsten erwartet.

Premiere
1. Oktober 2015
Vorstellungen
2
Zuschauer:innen
rund 300
Ort
St. Vincentiushaus Wegberg-Beeck

Ensemble

14 Mitwirkende
Gruppenfoto des Ensembles von „Bauer Anton erntet, was er säht“ in Kostüm — Bauernpaar, Huhn, Kuh und weitere Figuren vor der Kulisse.
Das Ensemble von „Bauer Anton erntet, was er säht“, 2015.

Auf der Bühne

Markus Schlaak

Bauer Anton

Bärbel Hamacher

Hahn

Monique Jungbluth

Nachbarin

Bianca Althoff

Großmutter

Sandra Bolten-Tillmanns

Huhn Kordula

Marion Reinders

Kuh Alma

Tanja Nippert

Statistin

Nicola Lehmann

Statistin

Bettina Wimmers

Statistin

Hinter der Bühne

BühnenbildTanja Nippert
MusikSimone Schlömer
Musik/GesangKerstin Schockert
Licht/TonDirk Ullendahl (KTU Wegberg)
TonregieChristoph Lehmann

Geschichte, Fotos & Video

Kapitel 1: Der Anruf der Großmutter

Auf Bauer Antons Hof herrschte an diesem Tag eine gemütliche Ruhe. Der Hahn saß, wie jeden Mittag, ganz vorne auf seinem Misthaufen und krähte laut und stolz in die Mittagsstunde hinein.

Bauer Anton kam mit seiner Schubkarre über den Hof geschoben, stellte sie in der Ecke ab und wandte sich seinem Hahn zu. „Guten Tag, Hahn!“, sagte er und warf einen Blick auf seine Uhr. „Da bist du ja mal wieder auf die Minute pünktlich!”

„Na klar“, antwortete der Hahn stolz, „ich krähe jeden Mittag pünktlich um zwölf Uhr, das weißt du doch.“

„Ja, auf dich ist wirklich Verlass“, lobte Anton. „Dank dir wissen all meine Tiere hier auf unserem Bauernhof Bescheid, wann es Zeit für die Mittagsruhe ist. Und ich hab den ganzen Tag schon so viel geschuftet, ich glaub, ich leg jetzt auch mal die Füße hoch und ruh mich ein bisschen aus.“

Gerade als Bauer Anton sich mit seiner Zeitung genüsslich auf den Stuhl fallen lassen wollte, klingelte das Telefon.

„Telefon, Bauer Anton, Telefon!“, krächzte der Hahn laut.

„Nicht so laut!“, rief Anton und hielt sich die Ohren zu. „Ich bin doch nicht taub! Ich geh ja schon.” Er ging zu seinem Telefontischchen und nahm den Hörer ab. Sofort erkannte er die Stimme seiner Großmutter am anderen Ende und freute sich.

„Ja, hier Bauer Anton, hallo?!“

„Anton, mein lieber Enkel, ich bin es!“, tönte es fröhlich aus dem Hörer.

„Großmutter, schön von dir zu hören! Wie geht es dir?“

Die Großmutter, die etwas schwerhörig war, strengte sich an, ihn zu verstehen. „Bier?? Nein, ich trinke lieber Wein, das weißt du doch!“

„Nicht Bier!“, rief Anton etwas lauter. „Ich fragte, wie geht es DIR!”

„Ach so! Mir geht’s gut, ja, ja“, antwortete die Großmutter munter. „Aber weshalb ich anrufe: Ich würde dich gern heute Nachmittag besuchen kommen. Wir haben uns doch schon so lange nicht mehr gesehen. Wär dir das recht?“

„Aber natürlich. Da freu ich mich!“, rief Anton.

„Bei dir gibt’s Fisch?“, fragte die Großmutter verwundert.

„Nein, ich sagte: Da freu ich mich!“

„Du hast einen vollen Tisch? Prima, prima, nach der Fahrt zu dir werde ich auch tüchtig Hunger haben. Es ist ja gerade auch Erntezeit, da hast du sicher viele leckere Sachen auf deinem Hof.“

Bauer Anton wirkte etwas überrumpelt. „Ähm, ja klar, natürlich.“

„Schön, da freu ich mich. Tschüss, mein Junge, bis später!“

„Tschüss, Oma“, verabschiedete sich Anton, und beide legten auf.

Kapitel 2: Milch für die Nachbarin

Bauer Anton ging zu seinem Esstisch zurück und stemmte nachdenklich die Hände in die Hüften. „So, wenn meine – zugegeben etwas schwerhörige – Oma mit so einem großen Hunger hier ankommt, werde ich ihr jetzt mal was Schönes zubereiten! Sie hat ja auch recht, denn dem lieben Gott sei Dank haben wir dieses Jahr eine Menge geerntet, stimmt’s?“

„Oh ja“, seufzte der Hahn, „vom Äpfelpflücken tut mir immer noch der Rücken weh, und erst die Kartoffelsäcke, puuh, waren die schwer!“

„Ach, erzähl doch nichts“, schmunzelte Anton. „Die hab ich doch alle mit meinem Traktor gezogen! Naja, was soll’s. Jetzt hab ich allerdings das Problem, dass ich die Kartoffeln, die herrlichen Äpfel und unser ganzes Gemüse schon zum Markt gebracht habe.“

„Stimmt, das ist bestimmt schon alles verkauft“, bemerkte der Hahn. „Aber was machst du jetzt für deine Großmutter?“

„Du könntest mir ja vielleicht helfen …?“, fragte Anton hoffnungsvoll.

„Nein, nein“, unterbrach ihn der Hahn schnell, „also, ich hab meine Arbeit erledigt, ich hab heut Morgen schon gekräht und gerad eben erst …“

„Ja, ja, schon gut, du kleiner Faulpelz!“, winkte Anton ab. „Zum Glück sind meine anderen Tiere hier auf dem Hof nicht ganz so arbeitsmüde wie du.” Er rief laut über den Hof: „Alma! Komm mal bitte, ich brauche dich!“

Die Kuh Alma kam auf den Hof getrottet, in der einen Hand eine volle Milchkanne. „Hallo Bauer Anton. Ich hab schon auf dich gewartet, ich bin doch schon längst gemolken, und die Kanne ist bis zum Rand voll mit Milch.“

„Toll gemacht, du bist wirklich die fleißigste Kuh, die ein Bauer haben kann!“, lobte Anton.

Alma war ganz geschmeichelt. „Oh, wie lieb von dir!“

„Paah, von wegen fleißig!“, warf der Hahn ein. „Du stehst doch den ganzen Tag auf der Wiese und kaust Gras.”

„Na und du?“, konterte die Kuh. „Du sitzt den ganzen Tag auf deinem Misthaufen und bist total faul!” Sie schnaubte. „Außerdem kann ich frische Milch geben! Die schmeckt nicht nur lecker, aus der kann man auch noch Butter, Joghurt, Käse oder Pudding machen! Und was kannst du?“ Sie flüsterte belustigt: „Der kann gar nichts!“

„Te!“, schnaubte der Hahn eingeschnappt.

„Jetzt hört doch auf zu streiten“, schlichtete Bauer Anton. „Ich dank dir, Alma, geh ruhig zurück auf die Wiese, du hast mich nämlich auf eine tolle Idee gebracht. Ich werde Großmutter aus der Milch einen leckeren Pudding kochen!“

Die Kuh streckte dem Hahn noch einmal genüsslich die Zunge heraus und trottete dann zurück auf die Weide.

Bauer Anton stellte die Milchkanne auf seinen Tisch und wollte gerade einen Topf holen, als es an der Tür klingelte. „Herein, es ist offen!“, rief er.

Die Nachbarin stürzte völlig aufgelöst herein. „Lieber Bauer Anton, Sie müssen mir helfen!“

„Frau Nachbarin! Hallo! Was ist denn los?“

„Könnten Sie mir vielleicht einen Liter Milch borgen!“, bat sie hastig. „Ich dachte, ich hätte noch welche im Haus, und da steh ich in der Küche, alle Töpfe schon bereit, und was fehlt mir – die Milch!”

„Ganz ruhig, Frau Nachbarin, ich helfe Ihnen doch gerne!“, beruhigte Anton sie. „Sie haben Glück, ich hab ganz frische Milch von meiner Kuh bekommen. Ich wollte daraus zwar eigentlich …” Er überlegte kurz. „Ach was, hier, bitte sehr!“ Und er reichte ihr die Kanne.

„Damit haben Sie mich gerettet, vielen, vielen Dank!“, strahlte die Nachbarin.

„Keine Ursache.“

„Tschüüüss!“, rief sie und ging zufrieden wieder davon.

Kapitel 3: Kordulas Eier

„So, jetzt muss ich mir was anderes überlegen“, sagte Bauer Anton zu sich selbst. „Milch haben wir nun keine mehr. Naja, aber ich hab ja noch mehr Tiere.“ Er rief über den Hof: „Kordula, würdest du bitte mal kommen?“

Das Huhn Kordula kam herbeigetrippelt, in der Hand ein Körbchen voller Eier. „Hallo, Bauer Anton.“ Dann errötete sie leicht. „Oh, hallo Hahn, schön dich zu sehen!“

„Hallo Huhn“, erwiderte der Hahn wenig begeistert und begann sich gelangweilt die Federn zu kämmen.

„Ist er nicht süß?“, schwärmte Kordula leise, bevor sie sich wieder an ihn wandte. „Hättest du nicht mal Lust, mit mir ins Kino oder vielleicht ein Eis essen zu gehen?”

Der Hahn suchte hastig nach einer Ausrede. „Ach, weißt du, ich hab hier einfach zu viel zu tun: Ich muss morgens krähen, dann darf ich mittags nicht vergessen zu krähen und …“

„Ja, ja, Hahn, du hast es schon schwer!“, schaltete sich Bauer Anton mit einem Augenzwinkern ein. „Komm, Huhn, lass den mal.” Sanft zog er Kordula zur Seite, die dem Hahn dabei noch einen flirtenden Wink hinterherwarf.

„Ich hab dich gerufen, weil ich dringend ein paar Eier brauche!“, erklärte Anton. „Weißt du, meine Großmutter kommt zu Besuch, und da …”

„Und da willst du ihr die leckersten Eier der Welt auftischen?“, fiel Kordula ihm stolz ins Wort.

„Ja, genau, du sagst es!“

„Hier, die haben meine Schwestern und ich ganz frisch gelegt!“, sagte sie und reichte ihm das Körbchen.

„Danke! Damit kann ich mit Sicherheit was Leckeres zubereiten.“

„Dann viel Erfolg. Tschüss.“ Beim Hinausgehen winkte Kordula Bauer Anton fröhlich zu und warf dem Hahn noch einen Handkuss zu, den dieser nur lustlos erwiderte.

„Puh, ist die endlich weg!“, seufzte der Hahn erleichtert.

„Sei nicht immer so gemein, Hahn!“, ermahnte ihn Anton, während er die Eier auspackte. „Aus irgendeinem Grund mag sie dich eben sehr …”

„Was heißt hier aus irgendeinem Grund?“, fuhr der Hahn beleidigt dazwischen. „Ich hab doch zig tolle Eigenschaften. Ich kann toll krähen, ich seh gut aus …”

Da klingelte es erneut an der Tür. „So, jetzt halt mal deinen Schnabel“, sagte Anton und rief: „Ja, herein!“

Wieder stand die Nachbarin völlig aufgelöst in der Tür. „Bauer Anton, Sie können es sich nicht vorstellen. Ich wollte gerade einen Kuchen backen, und da rollen mir die Eier doch von der Tischplatte und – platsch! Kaputt! Eine Katastrophe!“

„Die Frau Nachbarin. Möchten Sie sich vielleicht auch ein paar Eier bei mir borgen?“

„Das wäre zu nett!“

„Aber klar, wie viele brauchen Sie denn, zwei oder drei?“

Die Nachbarin schielte auf den vollen Korb. „Ach, wissen Sie, da Sie gerade so viele Eier haben, könnte ich ja auch noch einen zweiten Kuchen oder vielleicht Eierpfannkuchen backen.“

Bauer Anton schnaufte kurz durch, gab ihr den Korb aber freundlich, wenn auch etwas widerwillig. „Aber natürlich. Hier, bitte schön.“

„Zu gütig von Ihnen“, strahlte die Nachbarin und verließ fröhlich den Hof. „Bis baaaald!“

„Na, ich hoffe nicht ‚bis bald’“, murmelte Anton, als sie weg war, „sonst bleibt gar nichts mehr für Oma übrig!”

Kapitel 4: Der Streich des Hahns

„Und nun?“, seufzte Bauer Anton.

„Oje, oje, da wird die Großmutter aber enttäuscht sein!“, meinte der Hahn nicht ohne eine gewisse Schadenfreude. „Sonst nimm doch ein Stück trockenes Brot, das du immer den Schweinen zu fressen gibst. Mit einem Glas leckeren Wein schmeckt das vielleicht gar nicht so schlecht …”

„Ja, genau!“, rief Anton plötzlich, als ihm eine Idee kam.

Der Hahn war völlig verdutzt. „Wie bitte?? Das war doch nur ein Witz, wer mag schon Schweinefutter!“

„Nein, natürlich serviere ich Oma nicht das Schweinefutter“, beruhigte ihn Anton. „Aber ich müsste doch noch einen Sack voll Körner von der Getreideernte übrig haben.“ Er suchte, fand ihn schließlich und hielt ihn stolz in die Höhe. „Ich lauf gleich zum Müller und lass mir daraus Mehl mahlen. Und aus dem Mehl back ich Oma dann ein frisches, leckeres Brot. Da wird sie staunen!“ Voller Tatendrang ging er mit dem Sack über der Schulter davon.

„Endlich ein bisschen Ruhe hier“, freute sich der Hahn und wollte es sich gerade auf seinem Misthaufen gemütlich machen, als das Telefon klingelte. Mit geschlossenen Augen murmelte er noch aus alter Gewohnheit: „Bauer Anton! Telefon!“ Dann setzte er sich auf und rieb sich die Augen. „Ach nee, der ist ja beim Müller.“

Langsam stand der Hahn auf, schielte noch einmal umher, ob ihn auch niemand beobachtete, und ging schließlich selbst ans Telefon. Er räusperte sich und verstellte seine Stimme. „Hallo, Bauer Anton hier!“ Dabei kicherte er verschmitzt in sich hinein.

„Hallo, mein Junge“, ertönte die Stimme der Großmutter. „Wie ich dich kenne, biegt sich dein Esstisch schon, weil all die Leckereien von deinem Hof draufstehen, oder?“

Der Hahn warf einen zweifelnden Blick zum leeren Tisch, schüttelte kurz den Kopf, antwortete dann aber ganz selbstbewusst in den Hörer: „Oh ja, hier steht schon alles bereit, was das Herz begehrt: Kuchen und Kekse, Apfelkompott und Kürbissuppe, Wein und Wurst.“

„Euer Schwein hat Durst? Na, dann gib ihm doch Wasser!“, verstand die Großmutter falsch.

„Nein, WEIN und WURST“, wiederholte der Hahn kopfschüttelnd.

„Ach so! Mmh, da läuft mir ja schon das Wasser im Mund zusammen! Du, ich wollte dich fragen, ob ich noch ein paar meiner Freundinnen aus der Nachbarschaft einladen darf. Ich hab ihnen schon so viel von deinem Bauernhof vorgeschwärmt, dass sie unbedingt mitkommen möchten.“

„Aber klar, bring mit, wen du möchtest!“, antwortete der Hahn großzügig. „Wir haben genug für ein ganzes Festessen hier.”

„Wirklich? Toll! Dann bis gleich!“, freute sich die Großmutter.

„Ja, bis gleich“, verabschiedete sich der Hahn und legte auf. Dann lachte er sich heimlich ins Fäustchen und machte es sich wieder auf seinem Misthaufen bequem. „Hihi, das wird ein Spaß!“

Kapitel 5: Das Mehl-Missgeschick

Bauer Anton kehrte auf den Hof zurück, diesmal mit einem kleineren Sack über der Schulter, den er auf dem Tisch abstellte. „Na, war irgendwas los, als ich weg war?“

„Nö, nö, gar nichts!“, log der Hahn schnell.

„So, jetzt muss ich mich aber beeilen, damit ich wenigstens mein Brot fertig habe, wenn Oma kommt“, sagte Anton. „Also, was brauche ich – erst mal fünfhundert Gramm Mehl.“ Er begann, das Mehl in eine Rührschüssel zu schütten, als es wieder an der Tür klingelte.

„Oh nein, nicht schon wieder“, stöhnte er genervt und rief: „Ja, herein.“

Die Nachbarin kam herein, ihr Gesicht und ihre Schürze waren über und über mit Mehl bestäubt, und sie weinte bitterlich. „Bauer Anton!“

Anton musste sich das Lachen verkneifen. „Was ist denn mit Ihnen passiert?“

„Ja, sehen Sie mich mal an“, jammerte sie. „Diese Knöserei!“

„Aber wie ist das denn passiert?“

„Stellen Sie sich vor, ich wollte gerade mein neues Plätzchenrezept ausprobieren“, erzählte die Nachbarin aufgeregt. „Und Sie müssen wissen, die Dose mit dem Mehl steht immer ganz oben auf dem Schrank. Und da streck ich mich“ – sie griff, um es zu veranschaulichen, hastig nach Antons Mehlschüssel und streckte die Arme in die Höhe – „so hoch und zieh die Dose vorsichtig vom Schrank, und da fällt sie mir doch plötzlich, huch, oh nein!“

Dabei kippte sie auch dieses Mehl aus Versehen über sich und halb über Anton. Beim Versuch, alles wieder sauber zu machen, stolperten beide und verteilten dabei nur noch mehr Mehl im ganzen Raum.

„Ach du meine Güte, das tut mir leid!“, rief die Nachbarin erschrocken.

„Ist ja nicht so schlimm“, beruhigte Anton sie und klopfte sich das Mehl von der Kleidung.

Die Nachbarin schielte in die Schüssel. „Naja, ein bisschen ist ja noch drin geblieben. Darf ich den Rest vielleicht mitnehmen?“

„Ach, was soll’s“, seufzte Anton resigniert. „Jetzt ist es auch schon egal. Natürlich, nehmen Sie das Mehl ruhig mit.“

„Dankeschön!“, strahlte die Nachbarin, wieder ganz munter. „Sie sind wirklich ein lieber Nachbar!”, rief sie noch beim Hinausgehen.

Kapitel 6: Das große Fest

Bauer Anton wurde langsam ganz verzweifelt und klopfte sich entmutigt den restlichen Staub von der Kleidung. „Was mach ich denn jetzt nur? Ich hab nichts zu essen da, einfach gar nichts ist vorbereitet, und ich wollte meiner lieben Oma doch einen besonders schönen Nachmittag hier bereiten!“ Er setzte sich auf die Treppe und ließ den Kopf auf die Knie sinken.

„Du, Bauer Anton?“, fragte der Hahn vorsichtig.

„Hm.“

„Ich muss dir da noch was erzählen. Eben, als du beim Müller warst, da rief deine Oma an, und …“

Da klingelte es plötzlich an der Tür. Bauer Anton schreckte auf. „Oh nein, da ist sie schon! Hoffentlich wird sie nicht zu enttäuscht sein. Hahn, lass uns später reden, ich muss jetzt erst zu meiner Oma.“ Er stand auf und ging hinaus, um sie zu begrüßen.

„Mein Junge, ich freu mich ja so, dich zu sehen!“, rief die Großmutter, als sie hereinkam.

„Ich mich auch, Oma!“, sagte Anton. „Aber ich muss dir gleich was sagen: Das ganze Essen, auf das du dich so gefreut hast” – kleinlaut fügte er hinzu – „ist leider nicht da.“

„Das Essen ist schon gar? Ja, prima!“, freute sich die Großmutter, die ihn falsch verstanden hatte.

„Nein, du hast mich falsch verstanden, es …“

„Und dass ich all meine Freundinnen zu dir einladen durfte, war ja so nett von dir!“, unterbrach sie ihn fröhlich.

Bauer Anton verstand gar nichts mehr. „Wie bitte? Aber davon weiß ich ja gar nichts.“ Langsam dämmerte ihm etwas, und er ging zum Hahn hinüber. „Das warst du!“

„Ja, weißt du …“, begann der Hahn entschuldigend.

„Später!“, würgte Anton das Gespräch etwas ärgerlich ab und wandte sich wieder seiner Großmutter zu. Er nahm ihr den Mantel ab und schob ihr einen Stuhl hin. „So, bitte schön. Es ist wirklich so schön, dass du da bist! Ich würde dir auch schrecklich gern ein Stück Kuchen oder wenigstens frischen Apfelsaft anbieten, aber …”

Da klingelte es erneut. Bevor Anton hingehen konnte, stand die Großmutter selbst schon auf. „Lass nur, ich kann auch zur Tür gehen.“ Sie öffnete und ließ die Nachbarin herein. „Schönen guten Tag, kommen Sie auch zum Essen vorbei?“

„Ich? Nein, wieso?“, fragte die Nachbarin verwundert. „Ich bräuchte nochmal ganz dringend die Hilfe von Bauer Anton.”

Die Großmutter setzte sich wieder, holte ihr Strickzeug aus der Handtasche und vertiefte sich so sehr ins Stricken, dass sie von dem, was nun folgte, nichts mehr mitbekam.

Bauer Anton ging derweil zur Nachbarin und schüttelte ziemlich verzweifelt den Kopf. „Frau Nachbarin, ich hab einfach nichts mehr da, was ich Ihnen geben könnte. Ich helfe wirklich immer gerne, verstehen Sie mich nicht falsch.“

„Aber nein, ich möchte ja gar nichts von Ihnen haben“, widersprach die Nachbarin. „Ich wollte fragen, ob ich Ihnen was geben kann.“

Anton verstand gar nichts mehr. „Wie bitte? Wie meinen Sie das?“

„Stellen Sie sich vor, ich hab beim Kreuzworträtselschreiben eine Reise gewonnen!“, erzählte die Nachbarin aufgeregt. „Morgen ganz früh geht es schon los! Ja, und jetzt hab ich die Küche voll leckerem Essen stehen und weiß nicht wohin damit. Es ist leider wirklich sehr viel, aber könnten Sie es vielleicht nehmen? Es wär doch zu schade, wenn alles schlecht werden würde.”

Anton konnte sein Glück kaum fassen. „Ja, also, gerne, sehr gerne sogar!“

„Ach, ich wusste, auf Sie kann man sich verlassen“, sagte die Nachbarin erleichtert. „So, jetzt muss ich mich aber sputen, ich muss noch packen und, ach herrje, wie soll ich denn morgen so früh pünktlich am Bahnhof stehen? Ich hab ja gar keinen Wecker zu Haus. Nicht, dass ich dann noch meinen Zug verpasse, weil ich verschlafe.“

Da kam Bauer Anton eine gute Idee. Freudig nahm er die Nachbarin kurz in den Arm und ging mit ihr in Richtung des Hahns. „Wissen Sie was, ich hab da eine Idee. Ich leih Ihnen einfach meinen Hahn aus. Pünktlich um fünf Uhr in der Früh wird er Sie wecken, das kann er nämlich ganz besonders gut, nicht wahr?“ Dabei warf er dem Hahn einen etwas schadenfrohen Blick zu.

Der Hahn fand das überhaupt nicht lustig. „Wie bitte? Och nee, Bauer Anton, jetzt wo hier gleich das Fest beginnt, mit all dem Besuch und dem leckeren Essen …“

Doch Anton hörte gar nicht so genau hin, zog den Hahn von seinem Misthaufen herunter und stellte ihn der Nachbarin zur Seite.

„Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll“, sagte die Nachbarin gerührt. „Sie borgen mir Ihren Hahn, Sie übernehmen mein ganzes Essen. Ach ja, das hatte ich ja schon draußen vor die Tür gestellt. Ich hol es Ihnen gleich.“ Sie wandte sich an den Hahn. „Komm mit, dann kannst du mir tragen helfen.“ Und schon verschwanden die beiden um die Ecke.

Kaum waren sie außer Sicht, kam plötzlich eine ganze Schar Frauen auf den Hof, alle beladen mit den herrlichsten Köstlichkeiten – Kuchenbleche, Bratenplatten, Schüsseln voller Obst und Gemüse, Flaschen Wein, ein riesiger Kürbis und noch vieles mehr.

„Nicht mehr nötig, wir bringen schon alles mit rein! Und vielen Dank für die Einladung!“, rief eine der Freundinnen fröhlich.

Die Großmutter, die davon nun doch etwas mitbekam, legte ihr Strickzeug beiseite, drehte sich um und begrüßte freudestrahlend ihre Freundinnen. „Da seid ihr ja!“

Die Frauen stellten all die guten Sachen auf den Tisch, und schon bald herrschte ein geselliges Treiben: Gläser wurden gefüllt, Kuchen angeschnitten, Brot gebrochen, und überall wurde gelacht.

Bauer Anton konnte das alles noch gar nicht ganz fassen und stand kopfschüttelnd etwas abseits, während er das bunte Treiben beobachtete. Da kam seine Großmutter zu ihm herüber.

„Also, wie du in so kurzer Zeit ein so schönes Fest vorbereiten konntest – einfach toll!“, lobte sie ihn und drückte ihm einen Kuss auf die Wange, ehe sie sich wieder zum Esstisch gesellte.

Bauer Anton blieb noch einen Moment lächelnd stehen und schaute über den fröhlichen Hof, auf dem seine Großmutter, ihre Freundinnen, die Nachbarin, sein Hahn und all die anderen Tiere zusammen ein wunderschönes Fest feierten. Am Ende, dachte er sich, war es doch das Schönste geworden, was er sich hätte wünschen können – auch wenn ganz anders, als er es geplant hatte. Und mit einem zufriedenen Lächeln ging er hinüber, um mitzufeiern.

Für diese Produktion liegt noch kein Fotomaterial vor.

Für diese Produktion liegt noch kein Video vor.

Presse

Rheinische Post3. Oktober 2015

Die Kinder und anderen Zuschauer hatten viel Spaß am engagierten Spiel der bunt kostümierten „Tiere“ und Erwachsenen in Latzhosen, Schürzen, Gummistiefeln oder -schuhen sowie glitzernden altmodischen Kostümen.

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Wegberg. Viele Tiere und Menschen bevölkern im Theaterstück der Beeckbach-Bühne den Hof des Bauern und sorgen für Aufregung.

Der Hahn (Bärbel Hamacher) saß im Theaterstück „Bauer Anton erntet was er sät“ nicht etwa auf dem Mist, sondern auf einem sauberen Strohballen. Zu Beginn der Aufführung krähte er ausführlich – das Signal für Bauer Anton (Markus Schlaak), nach harter Arbeit am Morgen zur Mittagszeit einmal wieder die Beine hochzulegen.

Die Ruhe währte nicht lange, da der Hahn kurze Zeit später „Telefon“ rief. Sehr zur Freude der zuschauenden Erst- und Zweitklässler und der Lehrerinnen der Grundschule „Am Beeckbach“ im St. Vincentiushaus. Die schwerhörige Großmutter (Bianca Althoff) rief an und wollte nachmittags zu Besuch kommen. Im Folgenden scheiterten alle Versuche des Bauern, mit Milch, Eiern oder frisch gemahlenem Mehl Schmackhaftes auf den Tisch zu zaubern. Denn er gab in seiner Gutmütigkeit alle Zutaten an die charmante, hartnäckige Nachbarin (Monique Jungbluth, auch Autorin des Stücks) ab, die selber zu Hause kochte und buk und der diese Zutaten dabei fehlten. Der Hahn machte das Chaos perfekt, indem er am Telefon als Bauer Anton der Oma erlaubte, Freundinnen mitzubringen. Während der Aufführung wandten sich Bauer, Hahn, Huhn (Sandra Bolten-Tillmanns) oder Kuh (Marion Reinders) immer wieder ratsuchend oder scherzend an die rund 50 Kinder, die gebannt zuschauten und einige gute Tipps gaben. Ganz nebenbei lernten oder wiederholten die Kleinen, welche Produkte aus Milch hergestellt werden, was aus Eiern gekocht wird und welche Aufgaben ein Müller hat. Lieder brachten dabei zusätzlich Stimmung in Haus.

Kerstin Schockert hatte das „Hühnerhof-Lied“ (original von Frederic Vahle), „Party auf dem Hof“ (Zaches und Zinnober) oder ein melancholisches Duett (Chasing Cars, Snow Patrol) zum Theaterstück passend umgeschrieben, sang live und wurde von Simone Schlömer (Percussion) unterstützt. Das Bühnenbild hatte Tanja Nippert sorgsam als bäuerliche Stube mit Ausblick auf den Stall mit Pferden gestaltet. Kürbisse und Pflanzen verliehen ihm einen herbstlichen Anstrich. Die Kinder und anderen Zuschauer hatten viel Spaß am engagierten Spiel der bunt kostümierten „Tiere“ und Erwachsenen in Latzhosen, Schürzen, Gummistiefeln oder -schuhen sowie glitzernden altmodischen Kostümen. Sie erfuhren auf kindgerechte Weise viel Wissenswertes vom Leben auf dem Bauernhof. Und von mitmenschlichem Verhalten. Konsequent gab Bauer Anton alle Sachen her, um sie später von seiner Nachbarin als fertige Leckereien wiederzubekommen, da diese eine gewonnene Reise unternimmt.

Es war das zweite, vom Förderverein des Kindergartens St. Vincentius initiierte Stück, das die aus Eltern und Erzieherinnen bestehende Laiengruppe im zweiten Jahr in Folge in Eigenregie auf die Beine stellte. Im Frühjahr hatten sie mit den Proben begonnen.

Nicole Peters

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