Archiv · 2017 · Produktion 4 von 10

Nimm Platz im Zirkus Karamboli
Im Zirkus Karamboli läuft nichts mehr rund: Der Clown ist nicht mehr lustig, die Löwen-Nummer geht schief, und die Seiltänzerin traut sich kaum auf den Balken. Kann Star-Artist Carlo Kunststück den Zirkus noch retten?
Ensemble
15 Mitwirkende
Auf der Bühne
Heike Kresken
Zirkusdirektor Rudi Rossini
Marion Reinders
Clown Pepe
Bianca Althoff
Löwe Leo
Bärbel Hamacher
Dompteur Fernando
Katrin Floß
(Pferde)akrobatin Arabella
Sandra Bolten-Tillmanns
Seiltänzerin Lilly
Markus Schlaak
Star-Artist Carlo Kunststück
Monique Jungbluth
Jongleur Jojo
Nicola Lehmann
Reporterin
Christoph Lehmann
Kameramann
Hinter der Bühne
Geschichte, Fotos & Video
Kapitel 1: Der Zirkus, der niemanden mehr zum Lachen brachte
An diesem Abend suchten zwei Zuschauer ratlos ihre Plätze im Zirkuszelt. Der eine lief mit seiner Eintrittskarte in der Hand durch die Reihen und fragte immer wieder Leute im Publikum, ob sie wüssten, wo sein Platz sei, doch niemand konnte ihm helfen. Der andere irrte genauso hilflos umher, bis die beiden plötzlich mitten in den Reihen zusammenstießen.
„Oh, entschuldigen Sie!“, rief der zweite erschrocken.
„Macht nichts. Sie suchen wohl auch noch Ihren Platz, was?“
„Ja genau, hier findet man aber auch gar nichts!“
„Na dann, viel Glück noch.“
„Danke, Ihnen auch!“
Nach einer Weile ließen sich beide schließlich irgendwo nieder, so gut es eben ging, während im Zelt die Zirkusmusik anschwoll.
Die Band spielte inbrünstig, und Clown Pepe betrat mit einem großen Koffer die Manege. Er begann einen pantomimischen Sketch – doch bevor die Zuschauer richtig ins Lachen kommen konnten, bedeutete er der Band schon wieder, mit der Musik aufzuhören. Verärgert zogen sich die Musiker zurück, nur eine blieb bedröppelt sitzen. Dann holte Pepe selbst allerlei Instrumente aus seinem Koffer und spielte darauf – allerdings ziemlich schief. Er schien seine Zuschauer dabei gar nicht mehr richtig wahrzunehmen.
Plötzlich betrat der Jongleur Jojo die Manege und flüsterte Pepe etwas ins Ohr. Ärgerlich packte der Clown seinen Kram wieder zusammen, verbeugte sich noch kurz und verschwand missmutig hinter dem Vorhang.
Nun begann Jojo mit seiner eigenen Nummer. Kaum hatte er zu jonglieren begonnen, kam auch schon der Löwe Leo dazu. Widerwillig stellte der Jongleur seine Beine weit auseinander und jonglierte weiter, während der Löwe hindurchkroch und auf einen Hocker sprang. Jojo warf ihm die Bälle zu, die Leo mit dem Maul auffangen sollte – doch es klappte einfach nicht. Genervt machte der Jongleur eine abwertende Handbewegung zum Löwen. Da kam der Dompteur Fernando dazu, streichelte Leo aufmunternd über den Rücken und gab ihm ein Leckerli. Der Löwe verschlang es und wollte noch eins, dann noch eins, bis Fernando ihm ärgerlich klarmachte, dass jetzt Schluss war mit Leckereien. Er sah zum Löwen, dann zum Jongleur und rief „Hopp!“ – doch auch der zweite Versuch mit den Jonglierbällen ging gründlich daneben. Alle drei verbeugten sich schließlich, doch keiner sah wirklich zufrieden aus, und sie verschwanden hinter dem Vorhang.
Dann wurde ein Trommelwirbel gespielt, doch auf der Bühne passierte lange nichts. Erst nach einer Weile wurde die Seiltänzerin Lilly durch den Vorhang geschubst und stolperte auf die Bühne. Verlegen blickte sie ins Publikum und machte einen schüchternen Knicks. Zwei Bühnenhelfer stellten schnell einen Schwebebalken auf, und Lilly bekam eine Balancierstange gereicht. Man sah ihr die Unsicherheit förmlich an. Tapfer stellte sie sich ans Podest, spitzte den Fuß, um den ersten Schritt zu wagen – doch sie zitterte am ganzen Leib. Immer wieder setzte sie an, doch sie traute sich nicht. Schließlich lief sie weinend davon, und der große Vorhang schloss sich.
Kapitel 2: Empörte Zuschauer
Während im Hintergrund umgebaut wurde, trat Zirkusdirektor Rudi Rossini vor den Vorhang. „Also, tja, das war dann wohl unsere Show für heute“, sagte er gelangweilt und gähnte, während er auf die Uhr blickte. „Wir hoffen, es hat Ihnen gefallen.“ Verschwörerisch flüsterte er dem Publikum zu: „Ich fand es ehrlich gesagt ein kleines bisschen langweilig, aber naja.“
Plötzlich wurde er fröhlicher. „Ach so, aber vielleicht kann ich Sie damit ja noch aufmuntern! Ich kenn da einen tollen Witz.“ Und er erzählte, wie ein Häschen drei Tage hintereinander beim Bäcker nach einem besonders großen Brot fragte, bis der Bäcker es endlich extra gebacken hatte – nur damit das Häschen ihn bat, ihm davon zwei Scheiben abzuschneiden. Rudi lachte sich dabei selbst halb schlapp. „Und damit verabschiede ich mich und hoffe, dass wir uns ein nächstes Mal wiedersehen und …“
„Das war ja wohl ein Witz!“, rief einer der beiden Zuschauer von vorhin.
„Ja, natürlich war das ein Witz!“
„Nein, der ganze Zirkus ist ein Witz!“, rief der andere.
Rudi war erstaunt. „Hm, die Löwen-Jonglier-Nummer hat Ihnen wohl nicht so gut gefallen, was? Tja, und unser Clown, wissen Sie, früher war er sehr lustig, wirklich! Und unsere Seiltänzerin, naja, Sie müssen verstehen, sie ist einfach sehr schüchtern, die Arme!“
„Ich will mein Geld zurück!“, rief der erste Zuschauer.
„Ja, ich auch!“, stimmte der zweite ein.
„Wie bitte? Was wollen Sie? Ähm, also“ – Rudi sah sich panisch um – „tut mir sehr leid, aber … ich muss weg!“ Und panisch rannte er davon, hinter den Vorhang.
Kapitel 3: Ein trauriger Umkleideraum
Hinter der Bühne saßen die Artisten niedergeschlagen zusammen. Jojo spielte gelangweilt mit seinen Jonglierbällen, Arabella machte Dehnübungen auf ihrem Holzpferd, und Fernando saß am Tisch und rechnete Rechnungen zusammen. Leo hockte bei der schluchzenden Lilly und tröstete sie.
„Ach Lilly, nimm es nicht so schwer. Beim nächsten Mal klappt’s bestimmt.“
„Ich nehm es mir auch jedes Mal ganz fest vor“, schniefte Lilly, „aber wenn ich all die Leute im Publikum sehe und die Scheinwerfer so hell leuchten, bekomm ich einfach nur Angst!“
„Aber wovor hast du denn Angst?“
„Dass ich etwas falsch mache, dass ich danebentrete und runterfalle und alle über mich lachen!“
„Aber bei deinen Proben kannst du doch ganz toll auf dem Seil tanzen, da klappt doch alles!“
„Ja schon. Aber ich denke immer, dass ich trotzdem nicht gut genug bin!“ Und sie begann wieder zu schluchzen.
Da kam Pepe hereingestürmt, schnappte sich wie selbstverständlich eine Dose mit Taschentüchern vom Tisch und hielt sie Lilly hin, ohne sie dabei anzusehen. Stattdessen wandte er sich sauer an Jojo. „Anscheinend bin ich auch nicht gut genug! Du hältst dich wohl für was Besseres als ich, was? Oder was sollte das eben, mich einfach mittendrin zu unterbrechen? Also wirklich!“
„Das war nicht meine Idee!“, verteidigte sich Jojo achselzuckend und deutete mit dem Kopf zum Dompteur.
Pepe stapfte zu Fernando und stellte die Taschentücher vor ihm ab. „Was, du, Fernando? Aber wieso? Die Instrumenten-Nummer bring ich doch schon seit Jahren!“
„Tja, aber auch seit Jahren kommen immer weniger Zuschauer“, seufzte Fernando. „Tut mir leid, Pepe, aber die Instrumenten-Nummer ist wirklich nicht deine lustigste! Und jetzt muss ich hier dringend weitermachen. Wo war ich … ach ja, dreihundertfünfzig Euro für Reparaturen, hundertfünfzig für neue Stühle …“ Während er weiterrechnete, nahm er ganz nebenbei, ohne hinzusehen, die Taschentücher und hielt sie erneut Lilly hin, die inzwischen schon wieder ein Tränchen zu trocknen hatte. Für alle im Raum schien es inzwischen ganz normal geworden zu sein, dass Lilly wegen ihres missglückten Auftritts weinte.
„Vergiss nicht mein Fleisch!“, warf Leo ein. „Mein Bauch hat schon seit Tagen nichts Ordentliches mehr bekommen!” Und er rieb sich hungrig den Bauch.
„… ach ja, Fleisch, also nochmal fünfzig Euro“, notierte Fernando genervt.
„Ich und nicht lustig?“, empörte sich Pepe. „Pah, und wie findet ihr” – er überlegte kurz – „das hier?“ Er hob seinen Fuß so hoch er konnte, sodass sein dicker Zeh aus einem Loch in der Socke hervorlugte, machte dabei ein komisches Gesicht, roch demonstrativ an seinem Fuß und tat so, als würde er ganz fürchterlich stinken.
Die anderen kicherten, sogar Lilly musste ein wenig lächeln.
Theatralisch verbeugte sich Pepe. „Danke, vielen lieben Dank!“ Dabei knallte er absichtlich mit dem Kopf gegen den Tisch, hielt sich stöhnend den Schädel und rief zu Fernando hinüber: „Autsch, schreib mal noch Kopfschmerztabletten auf, bitte!“
„Ich glaub, ich sollte eher neue Socken für dich aufschreiben!“, schmunzelte Fernando.
„Und ich brauch übrigens neue Bälle!“, rief Jojo. „Leo macht meine mit seinen spitzen Krallen immer kaputt, weil er sie nicht richtig auffangen kann!”
„Heeey!“, protestierte der Löwe entrüstet.
„Ach du je, wie sollen wir das nur alles bezahlen?“, murmelte Fernando kopfschüttelnd, mehr zu sich selbst.
Arabella rutschte von ihrem Holzpferd herunter. „Ihr wisst aber alle, dass wir kein weiteres Geld ausgeben können, bevor ich nicht endlich ein echtes Pferd bekomme?!“
„Ach herrje, die feine Prinzessin will ein Pferd?“, spottete Leo. „Ja, was darf’s denn sonst noch sein? Vielleicht noch ein Schloss dazu und eine Krone?”
„Sehr witzig! Meine Akrobatik weiterhin auf diesem Spielzeugpferd zu zeigen, wird langsam echt peinlich. Der Direktor fand das zwar eine tolle Idee, um Geld zu sparen …“
„Stimmt doch auch“, warf Jojo ein und klopfte dem Holzpferd auf die Mähne. „Unser Kleiner hier braucht nichts zu fressen, nicht viel Platz … und außerdem stinkt es auch nicht so wie ein echtes Pferd!“
„Trotzdem“, seufzte Arabella träumerisch. „Meine tollen Kunststücke würden auf einem echten Pferd noch viel mehr strahlen.“ Sie sprang auf ihr Holzpferd, Leo stellte einen Ventilator an, sodass ihr die Haare nach hinten wehten. „Hach, im schnellen Galopp würde ich mich aufs Pferd schwingen und auf dem Pferderücken stehend der jubelnden Menge zuwinken. Und wenn ich dann zum Handstand ansetze, galoppiert mein Pferd immer schneller und …“ Da drehte Leo den Ventilator so, dass ihr die Haare voll ins Gesicht wehten.
„… dann ist dein Traum zu Ende!“, grinste Leo. „Wir haben nämlich kein Geld für ein echtes Pferd!”
„Naja, es sei denn du würdest …“, meinte Jojo augenzwinkernd zu Leo.
„Oh ja, super Idee!“, rief Arabella und sprang kurzerhand auf Leos Rücken. „Hüa, mein Pferdchen!” Die beiden liefen eine Runde im Galopp durch den Raum, und alle mussten lachen.
„Na, wenigstens ihr habt noch Spaß“, seufzte Fernando betrübt und stand mit seiner langen Rechnungsliste auf. „Mir vergeht so langsam das Lachen. Wenn ich mir die ganzen Rechnungen angucke, das können wir alles überhaupt nicht bezahlen! Es kommen einfach nicht genügend Zuschauer!“
„Oje, bestimmt bin ich daran schuld!“, rief Lilly erschrocken. „Ob Rudi mich jetzt rauswirft?”
„Keine Sorge“, sagte Arabella. „Unser ach so großer Zirkusdirektor Rudi Rossini erzählt sowieso lieber seine Häschen-Witze, anstatt sich mal um unseren Zirkus zu kümmern!“
„Da hast du leider recht“, seufzte Fernando. „Ich befürchte, wenn das so weitergeht, muss unser Zirkus leider schließen.“
Alle blickten betrübt zu Boden, bis der Löwe plötzlich aufsprang. „Mensch, das ist doch wirklich Schei…“
„Leo!!“, riefen alle warnend im Chor und hielten den Finger an die Lippen.
Der Löwe merkte sein Versehen und versuchte es erneut. „Ja, ja, schon gut, ähm, also ich meinte, das ist doch alles wirklich zum Kotz…“
„LEO!“
„Hach Mann, darf man hier denn gar nichts mehr sagen?“, brummte der Löwe beleidigt.
Kapitel 4: Der Clown geht
Da stürmte Rudi Rossini wutschnaubend durch den Vorhang herein. „Das ist doch gequirlte Hühnerkacke! So ein Scheibenkleister! Blöder Popelmist!“, polterte er und blieb mit den Händen in den Hüften stehen.
Leo sah sich um, ob jemand protestierte, doch alle blickten nur erwartungsvoll zu ihrem Direktor.
„Ach, und er darf so was sagen??“, murmelte Leo beleidigt, aber niemand reagierte darauf.
„Es tut mir so leid, Rudi“, sagte Lilly geknickt. „Ich verspreche, beim nächsten Mal werde ich mich trauen …“
„Ach, um dich geht’s hier doch gar nicht“, winkte Rudi barsch ab. „Stellt euch mal vor: Die Zuschauer fordern tatsächlich ihr Eintrittsgeld zurück!“
Plötzlich wackelte und zerrte es hinter dem Vorhang, man sah aufgebrachte Hände und hörte die Menge rufen: „Geld zurück! Betrug! Buh! Das ist der schlechteste Zirkus, den ich je gesehen hab!“
Verzweifelt versuchte Rudi, den Vorhang zuzuhalten. „Hört ihr das? Was mach ich denn jetzt nur?“
„Erstmal Ruhe bewahren! Moment, ich versuch das mal zu regeln!“, sagte Fernando und verschwand hinter dem Vorhang. Man hörte ihn noch rufen: „Bitte beruhigen Sie sich, meine Damen und Herren …”
Rudi wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Puh! Das war knapp!“ Er ließ sich erschöpft auf einen Stuhl plumpsen.
„Ja, keine Sorge, das wird schon wieder“, sagte Leo und klopfte ihm auf die Schulter.
Alle nickten zuversichtlich – bis auf einen.
„Das wird schon wieder?“, rief Pepe entsetzt. „Sagtest du gerade: DAS WIRD SCHON WIEDER?”
„Ja, ähm … denn etwa nicht?“, fragte Leo verstört.
„Also, ich mach das jedenfalls nicht mehr mit!“, erklärte Pepe. „Die Zuschauer werden weniger und weniger. Unser Schuldenberg wird größer und größer! Und heute durfte ich nicht mal meine Nummer zu Ende vorführen. Nein, dafür gebe ich mein Talent nicht mehr her! Ich bin raus!” Und mit festen Schritten verließ der Clown den Raum.
Kapitel 5: Ein Anruf bei Carlo Kunststück
Alle sahen sich erstaunt an. Als Erste fand Arabella ihre Sprache wieder. „Er gibt dafür sein Talent nicht mehr her? Ph, dass ich nicht lache! Wer braucht denn schon einen Clown im Zirkus? Ist doch vollkommen unwichtig! Erst recht, wenn er gar nicht lustig ist!“
„Tja, früher war Pepe wirklich lustiger“, seufzte Rudi und schwelgte in Erinnerungen. „Ach, damals, Mensch, was haben wir gelacht. Einmal, hahaha, also einmal hat er …“
„Ja, eigentlich könnte er viiiel besser sein“, unterbrach Lilly ernüchtert, „genauso wie ich!“ Kleinlaut fügte sie hinzu: „Aber irgendwie klappt das bei uns beiden nicht mehr!“
„Nicht nur bei euch beiden!“, sagte Jojo. „Wenn man mal ehrlich ist, klappt es doch bei keinem von uns!”
„Was ist denn nur los mit uns?“, fragte Leo ratlos. „Wir sind doch eigentlich alles gute Zirkusartisten, aber in der Manege, da klappt dann gar nichts mehr!”
„Na kommt, gehen wir erstmal alle schlafen“, schlug Arabella vor, „und morgen überlegen wir uns, wie wir weitermachen können.“ Und alle gingen davon, nur der Direktor blieb allein zurück.
„Tja, jetzt ist Pepe weg. Und mein guter alter Zirkus läuft schlechter denn je! Was mach ich denn jetzt nur?“ Rudi überlegte angestrengt. „Hmm, wir brauchen einfach etwas Neues, etwas Besseres als meine Artisten hier!“ Plötzlich ging ihm ein Licht auf. „Oh ja, jetzt weiß ich, was ich mache!“
Er schnappte sich das Telefon und blätterte durch sein Telefonbuch. „Wo war er noch gleich? Carsten, Christoph … hier ist es, Carlo, ja, Carlo Kunststück. Ob ich es wirklich wagen kann, ihn anzurufen?“ Er haderte kurz mit sich, kam dann aber zu dem Schluss: „Ach, doch, nur er kann uns jetzt noch helfen, ich probier es einfach!“
Er wählte die Nummer. Am anderen Ende ging Carlo Kunststück gelangweilt ans Telefon. „Carlo Kunststück hier?“
„Herr Kunststück, Zirkusdirektor Rudi Rossini vom Zirkus Karamboli am Apparat, es ist mir eine Ehre, dass Sie meinen Anruf entgegennehmen“, sagte Rudi ganz unterwürfig.
Carlo gähnte. „Zirkus Karamboli? Nie gehört. Was gibt’s denn? Sie möchten sicher Autogrammkarten von mir in Ihrem Zirkus verteilen, oder? Dann müssten Sie sich an meine Sekretärin wenden und mit ihr …“
„Nein, nein, Herr Kunststück! Ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll, also … Sie sind ja ein sehr begabter Zirkusartist, nein, was sag ich, Sie sind DER Zirkusartist Deutschlands, ja, wenn nicht sogar der ganzen Welt!“
„Ach, wissen Sie, das ist doch viel zu übertrieben“, meinte Carlo, ohne dabei angeberisch zu klingen, sondern ganz ernst gemeint. „Ich kann ganz gut am Trapez hin- und herschwingen, aber es gibt auch ne Menge, was ich nicht kann, ehrlich!“
„Oh, das kann ich aber kaum glauben“, kicherte Rudi.
„Was möchten Sie denn nun von mir?“
„Also, Herr Kunststück …“
„Bitte nennen Sie mich doch Carlo.“
„Aber gerne, also, Carlo: Ich wollte Sie fragen, ob Sie meinen Zirkus retten könnten? Es läuft sehr schlecht gerade bei uns“, sagte Rudi entrüstet, „heute haben die Zuschauer sogar ihr Geld zurückgefordert!“
„Puh, wie könnte ich Ihnen denn helfen? Brauchen Sie vielleicht etwas Geld?“
„Aber nein, etwas viel Besseres: Sie sollen in meinem Zirkus auftreten! Ich seh es schon vor mir: Die Menschen werden mir den Zirkus nur so einrennen, wenn sie hören, dass Sie, Carlo Kunststück, wieder in einer Manege stehen!“
Carlo haderte einen Moment mit sich. „Hmm, also eigentlich möchte ich gar nicht mehr so im Mittelpunkt stehen … aber Sie und Ihr Zirkus tun mir leid. Wissen Sie was? Ich werd versuchen, Ihnen zu helfen!“
„Wirklich??“, rief Rudi überrascht. „Ja, phantastisch!”
„Jaja, schon gut!“
„Also ist es abgemacht, wir treffen uns morgen?“
„Abgemacht!“
Kapitel 6: Carlo lernt den Zirkus kennen
Am nächsten Tag kamen die Artisten ganz aufgeregt in den Umkleideraum. „Ich bin ja so aufgeregt“, rief Arabella. „Carlo Kunststück, ich kann es noch gar nicht fassen!“
„Na, ob er uns aber wirklich helfen kann?“, zweifelte Jojo.
„Natürlich kann er!“, entrüstete sich Arabella. „Ich bin mir ganz sicher, dass in unserem Zirkus die Kassen wieder klingeln werden, wenn er bei uns auftritt.”
„Ja, er ist einfach der beste Zirkusartist von allen!“, schwärmte Lilly.
„Ach, ich wär gern so wie er!“, seufzte Leo.
„Er kommt, er kommt!“, rief Rudi, der durch einen Vorhangspalt lugte, und wenig später betrat Carlo den Raum.
„Schönen guten Tag zusammen“, grüßte er, und sofort umzingelten ihn alle.
„Guten Tag, Herr Kunststück, es ist mir eine Ehre“, rief Arabella und schüttelte ihm überschwänglich die Hand, ehe sie einen Knicks machte. „Ich muss Ihnen einfach sagen, wie sehr ich Sie bewundere!“
„Nun lasst den armen Mann doch mal in Ruhe ankommen“, mahnte Fernando. „Herr Kunststück, ich möchte Sie im Namen unser aller herzlich in unserem Zirkus willkommen heißen.“
„Ja, genau. Das wollte ich auch gerad sagen“, stimmte Rudi ein. „Ähm, Herr Kunststück, ich meine Carlo, was brauchen Sie denn für Ihren Auftritt? Ein neues Kostüm, ein Trapez oder besondere Musik?“
„Nein, nein, erstmal nicht“, winkte Carlo ab und sah sich um. „Ich möchte euch erstmal ein wenig kennenlernen. Fangen wir mal mit dir an.“ Er ging auf Lilly zu. „Wer bist du denn?“
„Ach, ich bin nur Lilly, die Seiltänzerin hier“, sagte sie schüchtern und hielt ihm die Hand hin.
Carlo küsste sanft ihre Hand und strahlte. „Hübsche Lilly, es ist mir eine Freude. Aber warum guckst du denn nur so schüchtern?“
„Ähm, tja …“, druckste Lilly verlegen herum.
„Sie traut sich nicht zu sagen, dass sie bei jedem Auftritt Muffensausen kriegt und dann wegläuft!“, platzte Jojo heraus.
„Das hättest du aber auch ein bisschen netter ausdrücken können“, flüsterte Fernando ihm zu.
„Wieso? So ist es doch“, meinte Jojo. „Carlo kann ruhig wissen, was hier alles schiefläuft!“
„Es tut mir auch wirklich so leid, dass ich meinen Auftritt immer wieder vermassel!“, versuchte sich Lilly zu verteidigen.
„Aber wo liegt denn das Problem?“, fragte Carlo sanft.
„Ich hab einfach Angst, etwas falsch zu machen!“
Carlo lachte. „Haha, na wenn es weiter nichts ist! Was glaubst du, wie oft ich auf meinem Popo geplumpst bin, bevor ich den dreifachen Salto endlich hingekriegt habe?“
„Ach, tatsächlich?“
„Aber sicher, wir alle machen doch ständig Fehler.“
„Wirklich?“, staunte Lilly ermutigt. „Ich dachte immer, ich bin die Einzige!”
„Ach, weiß Gott nicht!“, rief Rudi. „Wie oft hab ich meinen Text vergessen …”
„… oder ich einen Ball fallen lassen …“, fügte Jojo hinzu.
„… oder bin ich gestolpert!“, ergänzte Arabella.
„Hm. Aber eure Fehler sind doch überhaupt nicht schlimm“, überlegte Lilly, „ihr macht dann einfach weiter, und schon ist es vergessen.“
„Ahah!“, rief Carlo. „Da sagst du es ja selbst. Sie machen einfach weiter, selbst wenn etwas schiefläuft. Vielleicht solltest du das auch mal probieren!”
„Ihr meint also …?“, fragte Lilly, und ihr Gesicht hellte sich auf.
„Ja klar, mach einfach weiter“, sagte Fernando. „Egal ob du vom Seil rutschst oder nicht. So gut Seiltanzen wie du kann trotzdem keiner!“
„Oh, danke!“, strahlte Lilly verlegen.
„Sehr schön! Da hätten wir das erste Problem ja schon gelöst“, freute sich Carlo. „Lilly, du gehst jetzt nochmal in Ruhe in deinen Proberaum und trainierst für die Vorstellung morgen, ok?“
„Ja, das mach ich“, sagte sie voller Elan. „Und diesmal will ich dem Publikum wirklich mal zeigen, was ich kann!“ Und sie ging davon.
Carlo sah sich zufrieden um, dann fiel sein Blick auf das Holzpferd. „Und was soll das hier?“
„Das gehört mir“, sagte Arabella kleinlaut, dann wieder selbstbewusster: „Ich bin Arabella, die Bodenakrobatin hier im Zirkus. Naja, eigentlich die Pferdeakrobatin. Nur, wissen Sie, leider hab ich noch kein richtiges Pferd.“
„Okaaay …“, meinte Carlo irritiert. „Und deshalb machst du deine Kunststücke auf diesem Holzgestell da?”
„Naja, ich geb zu, ich rutsch da ganz schön oft runter, aber …“
„… aber es wirkt alles wirklich seeehr echt!“, warf Rudi ein. „Dazu lassen wir vom Band sogar noch Hufgetrappel ablaufen, und glauben Sie’s mir, die Zuschauer merken kein bisschen, dass das kein echtes Pferd ist.”
„Oh ja, suuper echt wirkt das“, meinte Jojo trocken.
Carlo schüttelte nachdenklich den Kopf, überlegte kurz, dann wandte er sich an Rudi. „Sie beginnen doch gleich mit der Nachmittagsvorstellung, oder?“
„Ja schon, warum?“
Carlo zog sich einen Hut und eine Sonnenbrille auf. „Dann werd ich mich jetzt inkognito unters Publikum mischen. Wenn ich Ihrem Zirkus helfen soll, muss ich mir das alles dringend mal mit eigenen Augen ansehen.“
„Na los, Leute, ihr habt’s gehört. Die Vorstellung beginnt!“, rief Rudi, und alle eilten davon.
Kapitel 7: Die harte Wahrheit
Nach der Vorstellung kamen Rudi und Carlo durch einen Seiteneingang wieder in den Umkleideraum. Carlo warf Hut und Sonnenbrille von sich und wischte sich vollkommen erschöpft den imaginären Schweiß von der Stirn.
„Oh Mann! Das war ja echt das Schlechteste, was ich seit langem gesehen habe! Nichts für ungut, aber ich kann die Zuschauer, die ihr Geld zurückwollen, ja sowas von verstehen!“
„Also wirklich, ein bisschen netter könnten Sie schon sein!“, protestierte Rudi.
„Verstehen Sie mich nicht falsch!“, sagte Carlo. „Es ist nämlich so: Eigentlich braucht ihr mich gar nicht. Ihr braucht keinen großen Zirkusstar! Im Grunde hat Ihr Zirkus alles, was er braucht!”
„Jetzt versteh ich gar nichts mehr. Ist unsere Vorstellung nun schlecht oder nicht?“
„Beides!“
„Hä?“, machte Rudi verständnislos.
„Es ist doch ganz einfach“, erklärte Carlo. „Jeder der Artisten kann etwas ganz Tolles, aber leider zeigt jeder von euch nur das, was er nicht gut kann! Sie zum Beispiel! Warum in Gottes Namen erzählen Sie permanent Witze?“
„Naja, damit meine Ansagen ein bisschen lustiger sind!“, sagte Rudi kleinlaut.
„Also hören Sie mal, sind Sie jetzt der Direktor oder der Clown?“
„Naja, ich bin natürlich der Direktor, aber im Moment auch gleichzeitig der Clown. Denn unser Pepe ist leider gegangen, wissen Sie.“
„Und warum?“
„Weil es so schlecht bei uns läuft und naja, wir ihn alle gar nicht mehr lustig fanden.“
„Wie war das denn früher?“
„Ach früher, da war es ganz anders. Pepe hat die lustigsten Dinger erzählt. Da war einer, hahaha“ – Rudi kicherte schon wieder los – „also einer, den muss ich Ihnen erzählen: Das Häschen geht in die Apotheke und fragt …“
„Schon gut, schon gut, nicht nötig“, winkte Carlo ab. Er wandte sich an die Kinder, die zugehört hatten. „Ich glaub, er versteht es immer noch nicht. Was meint ihr denn, wer sollte immer der Lustigste in einem Zirkus sein? Der Direktor oder der Clown?“
Und wer der Chef in einem Zirkus sein sollte, der sich um alles kümmert – der Clown oder der Direktor? Es war natürlich klar: der Clown sollte für das Lachen sorgen, der Direktor für die Ordnung. „Sehen Sie“, sagte Carlo, „nicht nur ich sehe das so. Sie sollten aufhören, in der Manege besonders lustig sein zu wollen, und sich stattdessen wie ein richtiger Direktor verhalten. Das ist Ihre Aufgabe!“
Da kamen plötzlich der Löwe und sein Dompteur herein. „Rudi, entschuldige, dass wir stören“, sagte Fernando, „aber die Zuschauer von gestern sind wieder da und wollen noch immer ihr Geld zurück.“
„Fernando, regele du das doch bitte, ich bin hier noch beschäftigt“, winkte Rudi ab.
„Na los, jetzt zeigen Sie mal, dass Sie hier der Direktor sind!“, mahnte Carlo.
Rudi wirkte erst verzweifelt. „Ja, aber was soll ich ihnen denn nur sagen?“ Dann ging ihm ein Licht auf. „Ach, ich könnte ihnen ja sagen, dass Sie hier bald auftreten werden!“
„Gute Idee!“, freute sich Carlo. „Sagen Sie den Zuschauern, sie dürfen morgen umsonst in den Zirkus kommen und können eine große Show erwarten! Und ich, Carlo Kunststück, werde auch eine Vorstellung darbieten, und zwar mit der einzigen Sache, die in diesem Zirkus wirklich noch fehlt!”
„Hm, versteh ich nicht. Aber was soll’s“, sagte Rudi, straffte die Schultern und atmete tief durch. „So, dann werde ich jetzt mal meines Amtes walten.“ Und er ging hinaus.
„Meines Amtes walten? Was heißt das denn?“, fragte Leo verständnislos.
„Das heißt, dass man genau das tut, was seine Aufgabe ist“, erklärte Fernando. „Ein Feuerwehrmann zum Beispiel hat die Aufgabe, Feuer zu löschen. Ein Clown hat die Aufgabe, die Leute zum Lachen zu bringen. Und ein Löwe …“
„Ein Löwe hat die Aufgabe zu essen und äähm … ach ja, zu jonglieren!“, sagte Leo stolz.
„Du meine Güte, was für ein Zirkus!“, rief Carlo und schlug sich an den Kopf. „Also wirklich, seit wann soll denn der Löwe jonglieren? Dafür habt ihr schließlich einen Jongleur, der kann das doch viel besser als du!”
„Endlich sagt das mal jemand!“, rief Fernando. „Ich beknie den Direktor schon seit Jahren, dass Leo und ich, wir zwei alleine, mal wieder unsere tolle Löwendompteur-Nummer machen dürfen. Das können wir nämlich wirklich gut! So richtig mit Feuerreifen und gefährlichen Sprüngen und so.”
„Das hört sich doch schon viel besser an!“, sagte Carlo. „Ihr solltet bei eurem nächsten Auftritt einfach das zeigen, was ihr am besten könnt!”
„Weißt du was, Leo?“, sagte Fernando. „Du kannst vielleicht nicht jonglieren, aber das ist gar nicht schlimm! Niemand kann alles! Ich kann auch ganz viele Dinge nicht!”
„Ach wirklich? Was denn zum Beispiel?“
„Naja, zum Beispiel – ähm, das ist mir fast ein bisschen peinlich“ – Fernando flüsterte – „ich kann gar keinen Purzelbaum machen!“
„Ach, das macht doch nichts!“, tröstete ihn Leo.
„Ja, denn dafür können wir beide ganz andere Sachen, was?“ Fernando legte Leo den Arm um die Schulter, und die beiden gingen vergnügt davon.
„Ich glaube, wir kommen der ganzen Sache schon näher!“, sagte Carlo zufrieden.
Kapitel 8: Die große Vorstellung
Am nächsten Tag verkündete eine Fernsehreporterin vor laufender Kamera aufgeregt die Neuigkeit: Der stadtbekannte Zirkus Karamboli habe einen neuen Artisten verpflichtet – den großen Star Carlo Kunststück, der vor einem Jahr eigentlich seinen Ausstieg aus der Zirkuswelt bekanntgegeben hatte. Umso überraschender sei es, dass er nun doch wieder in die Manege steige. Die Reporterin würde bei der ersten Vorstellung live dabei sein.
Im Umkleideraum wirbelten unterdessen alle Artisten aufgeregt durcheinander, dehnten sich, übten ihre Kunststücke noch ein letztes Mal. Auch Rudi versuchte, einen geraden Rücken zu machen und besonders seriös zu wirken.
„Hach, bin ich aufgeregt“, sagte Arabella zu Carlo. „Du meinst also wirklich, ich kann meine Nummer auch ohne Pferd zeigen?“
„Aber natürlich“, bekräftigte Carlo. „Ich habe deine Kunststücke doch gesehen! Du bist spitze! Das Pferd da schenkst du lieber einem Kind zum Spielen. Tu heute einfach das, was du am besten kannst: deine Kunststücke auf dem Boden!“
„Ok, einverstanden“, freute sich Arabella und flüsterte ihm dann zu: „Wissen Sie, ich hab sowieso eine Pferdehaarallergie!“ Dann ging sie zu Lilly, und die beiden nahmen sich gemeinsam einen Handspiegel vor, zupften noch an ihren Frisuren und bestätigten sich gegenseitig, wie gut sie aussahen.
„Und, bereit?“, fragte Carlo den Direktor.
„Klar doch! Keine Häschen-Witze mehr, dafür mit lauter, kräftiger Stimme den Abend moderieren!“
„So ist’s richtig“, sagte Carlo und klopfte ihm auf die Schulter. „Aber jetzt entschuldigen Sie mich, ich muss jetzt raus, schließlich bin ich als Erstes dran!“
„Was für eine Nummer führen Sie denn nun eigentlich vor?“
„Na, ich mach das Einzige, was Ihrem Zirkus wirklich noch gefehlt hat!“, sagte Carlo bedeutungsschwanger, zwinkerte ihm zu und ging hinaus.
„So, mein Kleiner, heute kommt’s drauf an!“, sagte Fernando zu Leo. „Jetzt dürfen wir endlich mal zeigen, was wir beide so draufhaben!”
„Darauf kannst du einen lassen!“, rief der Löwe begeistert.
„Leo!“, mahnte Rudi.
Der Löwe schaute ihn nur schulterzuckend und unschuldig an.
„So, ihr Lieben, alle bereit?“, fragte Rudi in die Runde.
„Ja, Direktor Rossini!“, riefen alle wie aus einem Mund.
„Na, dann los!“ Und alle gingen zum Seiteneingang hinaus, um sich für den großen Auftritt bereitzumachen.
Vor dem Zelt wies Carlo, als Platzanweiser verkleidet, die Zuschauer freundlich und fröhlich zu ihren Plätzen, wünschte allen eine tolle Vorstellung und begrüßte auch die Reporterin, ehe er sich schließlich an den Bühnenrand stellte.
Dann trat Rudi Rossini vor den Vorhang, atmete tief durch und blickte noch einmal zu Carlo hinüber. Voller Stolz und Eifer legte er los. „Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kinder! Es ist mir eine Ehre, dass Sie unseren Zirkus besuchen. Sie haben sicher alle schon den berühmten Carlo Kunststück erkannt, der es wahrlich versteht, jeden an seinen richtigen Platz zu setzen! Also, machen Sie es sich auf Ihren Plätzen gemütlich und genießen Sie den großartigen Zirkus Karamboli!“ Mit einer ausschweifenden Geste öffnete sich der Vorhang, und Rudi stellte sich neben Carlo an den Bühnenrand.
In der Manege standen nun alle Artisten, ausgestattet mit Riesenluftballons, Tröten, Rasseln und Konfetti, und führten mit Begeisterung ihre Kunststücke vor – jeder genau das, was er am besten konnte. Sie winkten den Kindern zu, und die Zuschauer jubelten kräftig.
„Bravo! Bravo!“, riefen die beiden Zuschauer, die anfangs so ratlos ihre Plätze gesucht hatten, begeistert von ihren Sitzen.
Kapitel 9: Jeder an seinem Platz
Nach der wunderbaren Vorstellung traten Rudi und Carlo gemeinsam auf die Bühnentreppe.
„Unglaublich, wie du unseren Zirkus gerettet hast!“, sagte Rudi bewegt. „Und dabei war es eigentlich ganz einfach: Du hast uns gezeigt, dass es Dinge gibt, die wir nicht gut können, aber das ist gar nicht schlimm! Denn jeder von uns kann auch etwas besonders gut!”
„Genau“, stimmte Lilly zu, „und darauf kann man stolz sein! Denn jedes einzelne Talent ist gleich wichtig!“
Plötzlich kam Clown Pepe auf die Bühne. „Ganz genau! Es ist ungefähr so: Unsere Augen können besonders gut sehen, und unsere Füße“ – er hielt seinen Fuß samt löchriger Socke hoch – „können toll laufen. Und? Sind die Augen nun wichtiger oder die Füße?“
„Keins ist wichtiger, man braucht doch beides!“, freute sich Leo.
„Ja, das stimmt!“, sagte Jojo. „Genauso wie jeder von uns gleich wichtig ist und genau für seine spezielle Aufgabe gebraucht wird!”
„Und nur so sind wir auch als Gruppe stark!“, ergänzte Arabella.
„Wer ist denn dieser Clown da?“, fragte Carlo verwundert.
„Pepe, das ist aber eine Freude! Wie kommst du denn hierher?“, rief Fernando.
„Ich hab eben im Fernsehen gesehen, dass hier heute eine tolle Aufführung geboten werden soll“, erklärte Pepe. „Naja, da hab ich mich gefragt, ob ihr vielleicht doch wieder einen Clown, der ein paar neue Witze auf Lager hat, gebrauchen könntet?“
„Aber natürlich!“, rief Rudi. „Es tut mir alles so leid! Schön, dass du wieder bei uns bist!”
Auch die anderen freuten sich sehr und umarmten Pepe herzlich. Rudi wandte sich noch einmal an Carlo. „Und dir möchte ich noch danke sagen – danke, dass du uns alle an den richtigen Platz gesetzt hast!“
Carlo verbeugte sich lächelnd. „Es war mir eine Ehre!“
Und so stand der Zirkus Karamboli von diesem Tag an wieder in voller Blüte da – nicht, weil auf einmal alle alles konnten, sondern weil jeder genau das zeigte, was er am besten konnte, und weil sie alle gemeinsam, jeder an seinem richtigen Platz, eine wunderbare Gruppe bildeten.
Für diese Produktion liegt noch kein Video vor.
Presse
Aachener ZeitungOktober 2017
Musikalisch begleitet wurde das Stück von Kerstin Schockert, die mit ihrer Stimme und im Duett mit Carlo Kunststück (Markus Schlaak) für Gänsehautmomente sorgte.
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WEGBERG-BEECK. „Hereinspaziert in die Manege“ – so hieß es im Vincentiushaus in Beeck. Die Theatergruppe Beeckbachbühne führte ihr neues Stück in drei Vorstellungen auf. Die kleinen und großen Zuschauer durften miterleben, wie im „Zirkus Karamboli“ der Vorhang aufging. Sie erhielten Einblick in einen Zirkus, in dem zu Anfang alles schief lief. Da musste Clown Pepe die Bühne verlassen, weil er überhaupt nicht lustig war, Löwe Leo jonglierte mehr schlecht als recht mit den Bällen des Jongleurs Jojo und Seiltänzerin Lilly verschwand vor Angst weinend aus der Manege. Kein Wunder, dass die Zuschauer ihr Geld zurück verlangten und sich Zirkusdirektor Rudi Rossini große Sorgen machte.
Der Dompteur Fernando rechnete den Zirkusartisten auch noch vor, dass der Zirkus schließen müsse, wenn nicht bald etwas passieren würde. Dabei hätte die Pferdeakrobatin Arabella statt ihres Holzpferds doch so gerne ein echtes Reittier. Doch die Rettung fand der Zirkus in dem Star-Artisten Carlo Kunststück. Er half allen Artisten, Mut zu fassen, das zu tun, was sie richtig gut können. Carlo Kunststück setzte alle Akteure an ihren richtigen Platz – und so wurde die Zirkusvorstellung doch noch zu einem vollen Erfolg.
Das liebevoll von Monique Jungbluth geschriebene und von Tanja Nippert mit einem authentischen Bühnenbild umgesetzte Stück begeisterte vor allem mit seiner Botschaft: „Du brauchst nur Mut, dann wird alles gut“. Musikalisch begleitet wurde das Stück von Kerstin Schockert, die mit ihrer Stimme und im Duett mit Carlo Kunststück (Markus Schlaak) für Gänsehautmomente sorgte. Für die Licht- und Tontechnik war Dirk Ullendahl (KTU Wegberg) verantwortlich.
Großen Applaus bekamen die Clown Pepe (Marion Hirsekorn-Reiners), Jongleur Jojo (Monique Jungbluth), Seiltänzerin Lilly (Sandra Bolten-Tillmanns), Löwe Leo (Bianca Althoff), Dompteur Fernando (Bärbel Hamacher), Pferdeakrobatin Arabella (Katrin Floß), Zirkusdirektor Rudi Rossini (Heike Kresken), Star-Artist Carlo Kunststück (Markus Schlaak), die Reporter Nicola und Christoph Lehmann, Bühnenbildnerin Tanja Nippert und für die Musik Kerstin Schockert, für Licht und Ton Dirk Ullendahl (KTU).








