Archiv · 2018 · Produktion 5 von 10

Zwei Figuren im Gespräch vor der Bühnenkulisse einer Arche aus Holzplanken mit Tau, Fischernetz und dem Schild „Herzlich Willkommen“.

Arche Noah

Die freche Biene Brummi hat für nichts und niemanden Zeit – bis er sich heimlich an Bord von Noahs Arche schleicht und mitten in Sturm und Chaos die größte Entdeckung seines Lebens macht.

Die freche Biene Brummi hat für nichts und niemanden Zeit – schon gar nicht für Gott. Lieber ärgert er das gutmütige Nashorn Nero mit seinem Lutscher, als seinen Freunden Bienchen und Bolle beim Nektarsammeln zu helfen. Doch als Noah auf Geheiß Gottes eine riesige Arche baut, um vor der großen Sintflut zu retten, was zu retten ist, bleibt Brummi außen vor – und schleicht sich kurzerhand heimlich an Bord. Zwischen einem tollpatschigen Papagei, zwei aufgeregten Bienen, einem seekranken Nashorn und jeder Menge Chaos in einer engen Kiste beginnt für den kleinen Störenfried eine Reise, die sein Leben verändern wird. Denn manchmal braucht es erst eine große Flut, damit ein kleines Herz die größte Entdeckung seines Lebens macht.

Premiere
11. Oktober 2018
Vorstellungen
3
Zuschauer:innen
rund 500
Ort
St. Vincentiushaus Wegberg-Beeck

Ensemble

13 Mitwirkende
Gruppenfoto des Ensembles von „Arche Noah“ in Kostüm — Bienen, Einhorn, Katzen und weitere Tierfiguren vor blauer Kulisse.
Das Ensemble von „Arche Noah“, 2018.

Auf der Bühne

Markus Bings

Noah

Monique Jungbluth

Frau

Bärbel Hamacher

Biene Bienchen

Sandra Bolten-Tillmanns

Biene Bolle

Markus Schlaak

Biene Brummi

Heike Kresken

Papagei

Bianca Althoff

Nashorn Nero

Tanja Nippert

Statistin

Nicola Lehmann

Statistin

Hinter der Bühne

BühnenbildTanja Nippert
MusikStefan Bimmermann
Musik/GesangKerstin Schockert
Licht/TonDirk Ullendahl (KTU Wegberg)

Geschichte, Fotos & Video

Kapitel 1: Ein fauler Scherzkeks

Auf einer alten Treppe saß das Nashorn Nero und ruhte sich müde aus. Da kam die Biene Brummi herangeschwirrt, und man sah ihm sofort an, dass er wieder Unfug im Sinn hatte. Er klopfte Nero auf die eine Schulter, stellte sich aber blitzschnell auf die andere Seite, sodass das Nashorn verwirrt erst nach links, dann nach rechts schaute.

„Na, Dickerchen“, grinste Brummi.

Nero grummelte nur unwillig.

„Du hast hier was!“, rief Brummi und deutete auf Neros Bauch. Kaum sah das Nashorn hinunter, patschte ihm die Biene ins Gesicht und lachte sich vor Vergnügen kaputt.

„Haha, sehr witzig“, brummte Nero missmutig.

„War doch nur Spaß“, tat Brummi unschuldig. „Guck mal, ich schenk dir meinen Lutscher.“ Er hielt Nero einen bunten Riesenlutscher vor die Nase.

Nero freute sich sofort. „Oh ja, die mag ich am allerliebsten!“ Er wollte danach greifen, doch Brummi zog den Lutscher im letzten Moment weg. Das Spiel wiederholte sich noch ein paarmal, bis Nero die Geduld verlor.

„Du bist gemein …“, sagte er traurig und trottete davon.

„Hihi, nicht gemein, nur schlau!“, rief Brummi ihm hinterher. Faul setzte er sich zurück auf die Treppe, machte es sich bequem und schleckte vergnügt an seinem eigenen Lutscher.

Kapitel 2: Die Baustelle

Nicht weit davon flogen die Bienen Bienchen und Bolle vergnügt von Blume zu Blume und füllten ihr Körbchen mit Blütenstaub. Da entdeckte Bolle Brummi, der es sich wieder einmal auf einer Treppe bequem gemacht hatte.

„He, du, wir sind zum Arbeiten hier und nicht zum Faulenzen!“, rief Bolle ihm zu.

„Man darf sich ja wohl mal ausruhen“, verteidigte sich Brummi. „Außerdem sammelt ihr beiden Streber genug für zehn Bienen.“

„Das ist auch unsere Aufgabe“, erklärte Bienchen bestimmt. „Wer fleißig Nektar sammelt, der wird später auch mit viel Honig belohnt.“

„Und nicht nur das“, ergänzte Bolle. „Als Gott uns geschaffen hat, hat er sich zusätzlich etwas Tolles einfallen lassen! Denn mit unserer Fliegerei sorgen wir gleichzeitig dafür, dass sich all die wunderschönen Blumen und Pflanzen vermehren können. Super, was?“

„Ja, ja, nerv nicht, die Leier hab ich schon tausendmal gehört“, winkte Brummi ab. „Ist mir doch egal, was Gott sich gedacht hat. Ich komm in meinem Leben sehr gut ohne Gott klar!“

Brummi stand auf und schlenderte hinüber zu einer großen Baustelle, auf der Holzbretter und Werkzeuge verteilt herumlagen. Herablassend sah er sich um, trat gegen das eine oder andere Werkzeug und nahm sich schließlich einen spitzen Gegenstand, den er wie ein Schwert durch die Luft schwang.

„Nur für eins bin ich ihm tatsächlich dankbar“, verkündete er, „für meinen Stachel! Damit kann man den anderen Tieren immer so schön Angst einjagen.“ Er lachte hämisch.

Bienchen bekam es mit der Angst zu tun. „Wie kannst du so etwas sagen? Das ist gemein von dir, und außerdem könntest du sogar sterben, wenn du deinen Stachel wirklich benutzt.“

„Schon gut, ich tu’s ja nicht“, winkte Brummi ab. „Aber es ist einfach zu komisch, wie alle immer schreiend vor mir wegrennen, wenn ich ihnen mit meinem Stachel zu nah komme. Vor allem Nero, dieses dämliche Dickerchen mit seinem albernen Horn auf dem Kopf – den kann man am besten ärgern! Er hat es immer auf meinen Lutscher abgesehen, kriegt ihn aber nie, ich bin einfach zu schnell. Er ist wirklich zu blöd für diese Welt.“

Bolle schüttelte verständnislos den Kopf. „Wie gemein du bist. Also, wenn Gott dich so hören könnte …!“

„Gott?“, Brummi zuckte mit den Schultern. „Ach, den gibt’s doch gar nicht. Und selbst wenn, ich will jedenfalls nichts mit ihm zu tun haben.”

Bienchen schnappte empört nach Luft. „Aber natürlich gibt es Gott! Sieh dich doch mal um, du kannst doch alles sehen, was er geschaffen hat. Und das hier“ – sie deutete auf den Holzstapel – „das ist ja wohl ein eindeutiger Beweis dafür, dass es Gott gibt und vor allem, dass er es gut mit uns meint.“

Brummi lachte Bienchen verächtlich aus. „Wie bitte? Was soll dieser Holzstapel denn mit Gott zu tun haben?“

„Ja, weißt du denn gar nicht, wo wir hier sind?“, fragte Bolle. „Das ist doch die Baustelle von Noah. Es stand doch überall in den Zeitungen: Gott hat zu Noah gesprochen und ihm gesagt, er soll ein riesengroßes Schiff bauen!”

„Wieso das denn?“

„Tja, Gott muss einfach schleunigst dafür sorgen, dass nicht das Böse und Schlechte auf der Welt gewinnt“, erklärte Bolle. „Deshalb will er alle guten Menschen und Tiere auf die Arche packen, damit er mit ihnen neu anfangen kann und …“

„Psst, ich glaub, da kommt er schon“, unterbrach Bienchen plötzlich.

„Wer, Gott?“, fragte Brummi verdutzt.

„Nein, Noah. Na los, Jungs, machen wir besser die Fliege!“ Und schnell verschwanden alle drei von der Baustelle.

Kapitel 3: Noahs Familie und der verirrte Papagei

Kurz darauf hörte man Noah und seinen Sohn Sem miteinander reden, als sie schließlich an der Baustelle ankamen.

„Wirklich, Papa, Kenan hat erzählt, dass sein Vater nicht glaubt, dass es anfängt zu regnen“, berichtete Sem. „Und er hat auch gesagt, dass du total verrückt wärst, so ein großes Schiff zu bauen!“

Noah legte seinem Sohn den Arm um die Schulter. „Tja, mein Sohn, Gott hat mir aber gesagt, dass es bald anfangen wird zu regnen, und zwar so lange, bis die ganze Erde unter Wasser stehen wird.“

„Wieso eigentlich?“

„Die Menschen dachten mit der Zeit, sie kommen auch ohne Gott klar und brauchen ihn nicht“, erklärte Noah. „Und dann wurden sie böse und gemein. Aber das will Gott nicht. Und nun hat er uns ausgewählt, damit wir mit den Tieren einen neuen guten Anfang machen können. Naja, und für den Rest der Welt wird er die Sintflut schicken.“

„Also, ich hab nichts dagegen, wenn bald alles unter Wasser steht“, meinte Sem freudig, „denn dann ist die Schule ja auch zu!“

In diesem Moment kam Noahs Frau dazu. „Na, na, mein Sohn, ich hab schon einen Koffer voll Bücher eingepackt, gelernt wird auch auf der Arche!“

„Menno!“, seufzte Sem.

„Und jetzt geh bitte zu deinen Brüdern und hilf ihnen beim Holzsägen“, schickte sie ihn fort.

Sem ging davon, und Noahs Frau wandte sich an ihren Mann, der sich gerade wieder über den Holzstapel hermachte. „Ach Noah, das ist noch so viel Arbeit. Wie sollen wir das alles nur rechtzeitig schaffen?“

„Keine Sorge“, beruhigte Noah sie, „so wie ich Gott kenne, schickt er uns Hilfe, wenn wir welche brauchen.“

Im selben Augenblick hörte man plötzlich lautes Schreien und Wehklagen. Ein Papagei kam auf einem Bein hineingehüpft, hielt seinen verletzten Fuß in der Hand und pustete darauf. „Auweh, auauau, mein armer Fuß!“ Er zog einen riesigen Nagel aus seinem Fuß. „Wie konnte ich nur so dumm sein. Dabei hat meine Mama mir immer gesagt, dass man auf Baustellen nicht spielen darf!“

Noah eilte zu ihm. „Ist alles in Ordnung?“

Der Papagei sah zunächst gar nicht richtig hin. „Nein, nein, danke, alles gut … Ähm, Moment mal … Bist du etwa … Noah? DER Noah?“ Er sah sich staunend auf der Baustelle um. „Ja natürlich, du musst es sein! Man hört ja auf der ganzen Welt von dir!“ Überschwänglich schüttelte er Noah die Hand. „Es ist mir eine Ehre, dich kennenzulernen!“

„Ganz meinerseits!“, erwiderte Noah lächelnd.

„Hast du dich denn verlaufen?“, fragte Noahs Frau.

„Tja, tatsächlich wollte ich eigentlich nach Südamerika, meine Großmutter im Regenwald besuchen“, erzählte der Papagei. „Da muss ich mich wohl verflogen haben. Naja, aber da ich nun mal hier bin, könnte ich euch ein bisschen zur Hand gehen. Natürlich nur, wenn ihr meine Hilfe gebrauchen könnt?“

„Vielen Dank, ja, Hilfe können wir sehr gut gebrauchen!“, freute sich Noahs Frau. „Dann macht euch mal an die Arbeit, ich bereite so lang das Abendessen vor.” Damit ging sie davon.

„Du kommst wirklich wie gerufen“, sagte Noah. „Ich wollte gerade ausmessen, ob die Bretter hier lang genug sind. Hier, nimm das bitte mal.“ Er reichte dem Papagei ein Maßband, doch dieser stellte sich ziemlich ungeschickt an, stolperte und verhedderte sich hoffnungslos in dem Band. Noah sah, dass es keinen Zweck hatte, wollte den Papagei aber auch nicht entmutigen.

„Weißt du was, das machen wir später“, sagte er freundlich. „Vielleicht könntest du die Nägel einschlagen?“ Er reichte ihm Nägel und einen Hammer und zeigte ihm, wo er sie hineinschlagen sollte. Doch auch dabei zeigte der Papagei seine handwerklichen Schwächen: Erst bekam er den Hammer gar nicht richtig hochgehoben, dann kippte er ihm nach hinten über, und schließlich haute er sich selbst auf den Daumen. Verzweifelt schaute er zu Noah hinüber.

„Aua! Ach, es tut mir echt leid!“

„Das macht doch nichts“, tröstete Noah ihn und überlegte kurz. „Mmh. Du fliegst doch gerne, oder?“

„Na klar“, sagte der Papagei stolz, „Fliegen ist für mich das Schönste.“

„Das ist sehr gut. Denn dann könntest du mein Bote sein und zu allen Tieren fliegen. Sie müssen sich bald auf den Weg machen, lange wird es nicht mehr dauern, bis es anfängt zu regnen.“

„Oh ja, das würde ich gerne tun“, strahlte der Papagei. „Du kannst dich auf mich verlassen!“

Kapitel 4: Die Ansprache

Ein wenig später übte der Papagei ganz allein seine wichtige Ansprache. Er räusperte sich und begann mit geschäftiger Stimme: „Meine sehr verehrten Tiere! Wie euch sicherlich zu Ohren gekommen ist, hat Noah von Gott den Auftrag erhalten, eine Arche zu bauen. Und ich darf euch nun mitteilen, dass ihr zu den Glücklichen gehört, die mit an Bord dürfen und …“

Er stockte. „Ähm, hm, oder besser so.“ Nun schlug er einen lässigeren Ton an. „Hey Kumpels, was geht ab? Habt ihr schon die Arche gesehen, voll cooles Schiff! Echtes Zypressenholz, dreihundert Ellen lang, drei Stockwerke hoch …“

„Ach nein, das ist ja eigentlich gar nicht so wichtig“, murmelte er und zählte an seinen Fingern ab. „Das Einzige, was die Tiere wissen müssen, ist: Erstens, Gott will alles Gute auf der Erde vor der Sintflut retten! Zweitens, Noahs Arche ist so gut wie fertig! Drittens, ihr seid dabei und dürft mit an Bord! Ja, so müsste es doch jeder gut verstehen.“ Zufrieden mit sich packte er sich einen kleinen Rucksack auf den Rücken und machte sich auf den Weg.

Kapitel 5: Zwei Bordkarten

Auf einer Wiese übten Bienchen und Bolle unterdessen fleißig Schwimmen, beide mit Schwimmbrille bewaffnet, während Bolle Bienchen erklärte, wie man die Arme beim Schwimmen bewegen musste.

Der Papagei beobachtete die beiden kurz und trat dann näher. „Hallo ihr beiden. Genau euch habe ich gesucht.“

Verdutzt sahen die Bienen ihn an. „Wir haben leider keine Zeit, wir müssen dringend unser Seepferdchen machen, denn weißt du, bald wird es so viel regnen, dass …“, begann Bolle.

„Genau deshalb bin ich hier“, unterbrach ihn der Papagei. „Und ich denke, ihr könnt euch euren Schwimmkurs sparen. Ich hab hier nämlich zwei Tickets für euch.“ Stolz zog er zwei Bordkarten hervor.

Bolle las vor: „Bordkarte für die Arche Noah, bitte nur Handgepäck mitnehmen.“

„Was, Noah möchte wirklich uns zwei kleine Bienen mitnehmen?“, staunte Bienchen freudig.

„Ganz genau, Gott hat ihm das so aufgetragen: Von jeder Tierart soll ein Paar mitkommen“, erklärte der Papagei. „Und mal ehrlich, wenn Gott auf der Erde einen neuen guten Anfang machen will, dann braucht er euch doch! Stellt euch mal vor, es könnte keiner mehr abends vor dem Schlafengehen Milch mit Honig trinken oder morgens ein Brötchen mit Honig bestrichen essen? Nein, nein, euch braucht Noah auf jeden Fall!“

„Oh, vielen Dank!“, sagte Bienchen verlegen.

„So, noch irgendwelche Fragen? Ich muss nämlich schnell weiter zu den Löwen“, drängte der Papagei.

„Wann genau ist denn die Abfahrt?“, wollte Bolle wissen.

„In genau sieben Tagen stechen wir in See. Einlass ist ab dem ersten Regentropfen!“ Und mit diesen Worten flog der Papagei weiter.

Die beiden Bienen sahen sich freudig an. „Na dann wollen wir mal packen, was?“, schlug Bolle vor.

„Auja, ich freu mich ja schon so!“, strahlte Bienchen, und beide flogen glücklich davon.

Doch was sie nicht bemerkt hatten: Ganz in der Nähe hatte sich Brummi versteckt und jedes Wort mitgehört. Nachdenklich zog er seinen Lutscher hervor und schmatzte still vor sich hin. „Pah, die wollen mich wohl hierlassen, was? Ich bin denen wohl nicht gut genug. Ha, das wär doch gelacht, ich find schon eine Möglichkeit, wie ich mich auf die Arche schleichen kann, wartet’s nur ab!“

Kapitel 6: Einlass auf der Arche

Endlich war der große Tag gekommen. Noah hängte gerade ein „Herzlich Willkommen“-Schild über die Tür der fertigen Arche, als seine Frau aufgeregt herbeieilte.

„Endlich ist es so weit: Draußen fallen die ersten Regentropfen, unsere Söhne und ihre Freundinnen richten ihr Zimmer schon ein und …“ Sie blickte auf den Boden am Eingang und erschrak. „Ach du je, ich hab die Fußmatte ja ganz vergessen.“ Schnell holte sie eine und legte sie vor die Tür.

Gemeinsam mit Noah stellte sie sich mit gerader Haltung neben die Tür, voller Erwartung auf ihre Gäste. Doch es blieb erst einmal still.

„Nichts, weit und breit kein Tier“, wunderte sich Noah. „Wo stecken die bloß?“

„Sieh nur!“, rief seine Frau und zeigte auf den Boden.

„Ahh, da sind ja unsere ersten Gäste!“, freute sich Noah. „Hereinspaziert, hereinspaziert! Seid herzlich willkommen, liebe Ameisen.” Seine Frau freute sich ebenfalls, ehe ihr etwas einfiel. Sie deutete auf die Fußmatte. „Aber bitte Füße abputzen. Danke!“

Kurz darauf stellten sich zwei Löwen an die Tür, blieben aber vor der Fußmatte stehen.

„Nur keine Scheu, Herr und Frau Löwe, kommt ruhig rein!“, ermunterte Noah sie. Doch die Löwen zeigten nur auf die Fußmatte. Noah blickte ebenfalls hin, und da ging ihm ein Licht auf. „Ach, der Tausendfüßler, ja gut, das dauert natürlich etwas, bis er fertig ist.” Alle warteten geduldig. „So, die Tiere mit tausend Füßen gehen bitte hier entlang …“

„Und die Löwen dürfen mit mir kommen“, ergänzte seine Frau und führte sie in eine andere Richtung.

Nach und nach kamen viele weitere Tiere an Bord, eines nach dem anderen, bis schließlich auch die beiden Bienen erschienen. Bolle zog dabei keuchend einen viel zu schweren Koffer hinter sich her.

„Was hast du denn alles eingepackt?“, fragte Bienchen erstaunt. „Wir sollten doch nur das Nötigste mitnehmen.”

„Hab ich auch“, verteidigte sich Bolle. „Meine Zahnbürste und meinen schwarz-gelb geringelten Schlafanzug. Ich weiß auch nicht, warum das alles so schwer ist.“

„Guten Tag, liebe Bienen, schön, dass ihr da seid!“, begrüßte sie Noah freundlich.

Da hörte man plötzlich jemanden von draußen rufen: „Nein, nein, ich geh da nicht rein, auf keinen Fall!“

„Nanu, was ist denn da los?“, fragte Noah und eilte hinaus.

„Können wir vielleicht helfen?“, rief Bienchen ihm hinterher.

„Ja bitte, das wär gut“, antwortete Noah.

Draußen stand das Nashorn Nero und weigerte sich standhaft, an Bord zu gehen. Bienchen schnappte sich schnell einen Regenschirm, der an der Wand lehnte, während Noah und Bolle angestrengt versuchten, das Nashorn durch die Tür zu schieben.

„Nein, nein, ich möchte wirklich nicht“, jammerte Nero.

„Ach komm schon, Nero, das wird bestimmt lustig“, versuchte Bolle ihn zu überreden.

„Aber ich werde doch so schnell seekrank, mir ist ja jetzt schon schlecht!“

„Es hilft nichts, alle müssen mitkommen, daran gibt’s nichts zu rütteln“, erklärte Noah bestimmt.

„Na komm schon, deine Frau ist doch auch schon drinnen“, fügte Bienchen hinzu. „Geh zu ihr und dann legst du dich erstmal ins Bett.“

Mit vereinten Kräften schafften es die Bienen und Noah schließlich, das Nashorn hineinzubewegen. Noah warf noch einmal einen Blick nach draußen. „Jetzt wird es aber höchste Zeit, alle Felder und Wiesen stehen schon unter Wasser. So, dann noch schnell die Tür zu. Und jetzt kann diese Arche mal zeigen, wie gut sie schwimmen kann.“ Mit diesen Worten schloss er die große Tür.

Kapitel 7: Der blinde Passagier

Einige Tage später saßen die beiden Bienen in ihrem Zimmer auf der Arche. Bienchen sah sich um. „Puh, neununddreißig Tage sind wir jetzt schon unterwegs. Und unsere Erde steht inzwischen komplett unter Wasser, und trotzdem regnet es unaufhörlich. Ich glaub, es hört nie mehr auf zu regnen.“

„Ach, keine Sorge, es dauert höchstens noch ein paar Tage, dann hört der Regen sicher auf“, beruhigte Bolle sie.

„Naja, zum Glück sitzen wir hier im Trockenen und haben genug Platz.“

„Genau“, stimmte Bolle zu. „Wir haben es hier doch wirklich nett: Wir haben unser eigenes Zimmer, bekommen jeden Tag zu essen, brauchen nicht zu arbeiten, eigentlich fühlt man sich hier doch wie im Urlaub.“

Bienchen schien plötzlich etwas zu suchen. „Apropos Urlaub: Wo ist eigentlich unser Koffer, den wir mitgenommen hatten?“

Bolle schlug sich an die Stirn. „Ach, den hab ich ja total vergessen.“ Er überlegte. „Ähm, ach ja, stimmt, am Tag, als wir an Bord gegangen sind, hab ich ihn in den Abstellraum gestellt. Moment, ich hol ihn mal …“

Kaum war er draußen, hörte man einen aufgeschreckten Schrei. „Was machst du denn hier??“

Bolle kam zurück – mit Brummi im Schlepptau.

„Puh, ich dachte schon, ihr findet mich nie!“, seufzte Brummi erleichtert.

„Brummi!“, rief Bienchen und umarmte ihn spontan. „Wir haben uns ja lang nicht mehr gesehen. Aber sag mal, wieso bist du überhaupt hier? Bolle und ich sind doch die einzigen Bienen hier auf dem Schiff!”

„Damit habt ihr nicht gerechnet, was?“, grinste Brummi selbstzufrieden. „War schlau von mir, mich in eurem Koffer zu verstecken, nicht wahr?” Er zog aus seiner Hosentasche wieder seinen Riesenlutscher hervor und aß vergnügt daran. „Essen hatte ich zum Glück genug dabei! Ich dachte eigentlich nicht, dass ihr so lange braucht, um eure Koffer endlich mal auszupacken.“

Bienchen war hin- und hergerissen. „Aber Brummi, das geht doch nicht, was ist, wenn Noah dich hier entdeckt?“

„Ganz genau“, zürnte Bolle. „Es dürfen nämlich nur zwei von uns hier sein! Kannst du etwa nicht zählen? Jetzt sind wir eins, zwei, drei! Das ist Betrug. Bestimmt müssen wir jetzt alle drei von Bord!“

„Ach quatsch, Noah wird schon nix mitkriegen, der …“, winkte Brummi ab.

Da klopfte es plötzlich an der Tür, und der Papagei rief fröhlich: „Hallo liebe Bienen, Zimmerservice!“

Die drei schauten sich erschrocken an und flüsterten aufgeregt. „Oh nein, der Papagei bei seinem morgendlichen Rundgang. Was machen wir denn jetzt?“, zischte Bienchen.

Bolle entdeckte eine Kiste in der Ecke. „Brummi, los, rein da, und keinen Mucks, verstanden?“

Brummi kletterte hastig hinein. „Ja, ja, schon gut.“

„Herein!“, rief Bienchen.

Der Papagei trat mit einem Tablett voller Brot und einem Topf Honig ein. „So, bitte sehr! Lasst es euch schmecken.“

Bienchen und Bolle reagierten etwas verhalten und schielten immer wieder zur Kiste. „Ja, danke“, sagte Bienchen knapp.

„Ich hoffe, es ist alles in Ordnung bei euch?“

„Danke, ja“, sagte Bolle.

„Ach ja, jetzt sind wir schon Wochen lang unterwegs. Aber keine Sorge, Noah sagt, es läuft alles so, wie Gott es geplant hat. Die guten Menschen und Tiere sind alle an Bord, die Bösen haben wir alle auf der Erde zurückgelassen – naja, sind wir mal ehrlich, mit denen wollen wir ja auch nichts zu tun haben, hab ich recht …?“

Aus der Kiste ertönte empört: „Ey!“

„Was war das denn?“, horchte der Papagei auf.

„Das war ich – hust – ich glaub, ich hab mich ein bisschen erkältet“, räusperte sich Bolle schnell.

Doch der Papagei war skeptisch geworden. Langsam ging er auf die Kiste zu. „Hmm? Kam das etwa aus der Kiste?“

Die Bienen starrten ihn mit großen, unschuldigen Augen an. „Nein, in der Kiste ist nichts, ehrlich!“

Der Papagei war fast wieder überzeugt. „Na gut. Dann muss ich mich wohl verhört haben.“

Doch da musste Brummi niesen. „Haaaatschi! Oh, Entschuldigung.“

„Da ist ja doch jemand. Was ist da in der Kiste, nun sagt schon?!“, wurde der Papagei nun ungeduldig.

„Also, ich hab gar nichts gehört“, versuchte Bolle es noch einmal.

Der Papagei wurde langsam sauer. „Jetzt verkauf mich doch nicht für dumm! Ich möchte sofort wissen, wer da in der Kiste ist!“

Aus der Kiste kam Brummis Stimme, plötzlich merkwürdig verstellt: „Ähm … ah ja, hier ist Gott, ich meinte – hier ist Gott.“

Die Bienen schlugen sich entsetzt die Hände vors Gesicht. Der Papagei lachte. „Gott? Nein, das kann ich nicht glauben.“

„Ach, du glaubst nicht an Gott?“, fragte die Stimme aus der Kiste.

Der Papagei sah zweifelnd auf die Kiste. „Doch, aber …“

„Na also!“

„Naja, aber es fällt mir doch schwer zu glauben, dass sich Gott in dieser Kiste befindet.“

„Wieso, Gott kann doch überall sein.“

Der Papagei blickte fragend zu den beiden Bienen, die daraufhin eifrig mit dem Kopf nickten. „Hm, stimmt, das sagt Noah auch immer über dich: dass du überall bist. Aber ich kann mir das nur so schwer vorstellen. Hast du vielleicht einen Beweis für mich?“

„Ach, weißt du, ich möchte es dir gar nicht beweisen“, kam es aus der Kiste. „Ich will dich schließlich nicht dazu überreden, an mich zu glauben. Nein, dafür hab ich dich viel zu lieb!“

„Du hast mich wirklich lieb? Ach, das ist aber schön!“, freute sich der Papagei.

„Aber natürlich hab ich dich lieb. Und deshalb möchte ich viel lieber, dass du an mich glaubst, weil du es möchtest, vollkommen freiwillig! Denn nur wenn du es freiwillig tust, weiß ich, dass du es ernst meinst.“

„Mh, klingt logisch!“, nickte der Papagei.

„Und ich verrate dir noch was.“

„Ja, was denn?“, fragte der Papagei neugierig.

„Ich hab jedes einzelne Tier und jeden einzelnen Menschen lieb und warte geduldig darauf, ob er mich in sein Leben lässt und mir Vertrauen schenken will. Und wenn das passiert, ist das die größte Freude, die er mir machen kann!“

„Wie schön“, staunte der Papagei, langsam überzeugt. „Ich glaub, so langsam verstehe ich, warum Noah dich so mag.“

Bolle konnte dieses Spielchen nicht mehr länger mit ansehen. „So, ich glaube, Gott muss sich jetzt aber was ausruhen, die ganze Sache mit der Sintflut war doch ziemlich anstrengend.“ Er versuchte, den Papagei zur Tür hinauszuschieben, doch dieser sträubte sich.

„Nein, bitte noch nicht, es ist so schön, mit Gott persönlich zu sprechen“, bat der Papagei sehnsüchtig.

„Du kannst jederzeit mit mir reden, ich bin immer und überall für dich da und hör zu“, kam es aus der Kiste.

„Ach, wie schön. Ich hab nämlich noch so viele Fragen an dich. Dann darf ich doch auch bestimmt mal die Kiste öffnen und …“

„Nein!“, riefen Bienchen und Bolle wie aus einem Mund.

Der Papagei schnappte nach Luft und sah entsetzt zu der Biene, die nun aus der geöffneten Kiste kletterte. Alle drei Bienen standen einen Moment lang schuldbewusst nebeneinander, und für einen Augenblick war alles still.

Da kam plötzlich Noah herein. „Papagei, komm schnell, der Specht hört nicht auf, gegen die Schiffswand zu klopfen. Das könnte gefährlich werden.“

„Noah, gut, dass du kommst, diese Bienen hier haben …“, wollte der Papagei noch völlig entsetzt berichten.

Doch Noah winkte ab. „Nicht jetzt, der Specht ist wichtiger. Na los, komm.“ Er schob den Papagei zur Tür hinaus, blieb dann aber noch einmal kurz stehen und zählte leise die drei Bienen durch.

„Hm, wieso denn drei?“, murmelte er verdutzt.

Die drei Bienen bekamen es mit der Angst zu tun, doch zu ihrem Erstaunen meinte Noah völlig zuversichtlich: „Ach naja, Gott wird sich schon was dabei gedacht haben.“ Und damit ging er hinaus.

Kapitel 8: Ein ehrliches Gespräch

„Uff, das war knapp“, seufzte Bienchen erleichtert.

Bolle war trotz aller Erleichterung immer noch stinksauer. „Was hast du dir eigentlich dabei gedacht? Erst schleichst du dich verbotenerweise hierher, und dann bist du auch noch so respektlos und tust so, als wärst du Gott? Pah, ausgerechnet du!“

„Naja, aber du musst schon zugeben, dass er ein paar weise Dinge gesagt hat“, versuchte Bienchen ihn zu besänftigen. Anerkennend wandte sie sich an Brummi. „Hätt ich dir gar nicht zugetraut.“

Brummi wirkte noch ganz benebelt und seltsam verändert. „Ja, ich weiß auch nicht, was da plötzlich in mich gefahren ist. Es war, als hätte Gott direkt zu mir gesprochen.“

„Du meinst, da eben hat doch Gott gesprochen?“, fragte Bienchen erstaunt.

„Naja, da war schon ich in der Kiste, aber es war, als hätte sich eine leise Stimme in meinen Kopf gesetzt. Ich weiß auch nicht genau … Aber eins ist mir gerade klar geworden: dass es mir schrecklich leidtut, dass ich euch kein besserer Freund war. Es tut mir leid, ihr beiden.“

„Ach, Brummi, schon gut“, sagte Bienchen sanft.

„Nein, es ist nicht gut, ich hab immer nur an mich selbst gedacht und wollte auch nie was mit Gott zu tun haben. Aber das wird sich jetzt ändern!“

„Hör doch, ist das nicht toll?“, strahlte Bienchen und wandte sich an Bolle.

„Hmm, ich weiß nicht. Sich einfach hier aufs Schiff zu schleichen und dem Papagei was vorzuspielen, das kann doch nicht richtig sein …“, zweifelte Bolle noch. „Na komm, Bienchen, wir sehen erstmal nach, was da mit dem Specht los ist, und um dich” – er sah zu Brummi – „kümmern wir uns später!“

Und so gingen Bolle und Bienchen hinaus, um nach dem Specht zu sehen.

Kapitel 9: Brummis leises Gebet

Allein zurückgeblieben, blickte Brummi nachdenklich nach oben. „Ähm, hallo da oben? Tja, also, ich hab ja eigentlich noch nie so richtig mit dir gesprochen … Bisher bin ich irgendwie nie auf die Idee gekommen, lief ja alles gut für mich.“ Kleinlaut fügte er hinzu: „Danke übrigens dafür!

Ich glaub, Bolle ist immer noch sauer auf mich. Naja, er hat ja auch recht. Ich befürchte, in letzter Zeit hab ich so einiges falsch gemacht. Ich war gemein zu meinen Freunden und auch zu allen anderen Tieren, und dann bin ich einfach mit auf die Arche gegangen, obwohl ich nicht durfte …

Aber weißt du was? Als ich eben da in der Kiste saß, hab ich richtig gespürt, dass du bei mir bist! Und noch mehr, dass du mich liebhast, sogar auch dann, wenn ich Mist gebaut habe. Und das gibt mir viel Kraft, jetzt einfach weiterzumachen! Irgendwie muss ich es doch wieder gutmachen können.“ Er überlegte einen Moment, und dann schien ihm plötzlich etwas klar zu werden. „Aaah, kann es sein, dass … Ja, jetzt verstehe ich, warum du es überhaupt zugelassen hast, dass ich mich hier verbotenerweise auf die Arche schleichen konnte …“

Freudig und mit einem vielsagenden Blick nach oben machte er sich auf den Weg. „Wartet, ich komm auch mit!“, rief er und eilte den anderen hinterher.

Kapitel 10: Das Loch in der Schiffswand

Der Specht hatte inzwischen tatsächlich ein Loch in die Schiffswand gehämmert, aus dem nun das Wasser hereinströmte. Alle Bewohner der Arche standen mit Gummistiefeln bewaffnet zusammen und redeten aufgeregt durcheinander. Nur das Nashorn saß ruhig in einer Ecke.

Als Brummi hinzukam, entdeckte ihn der Papagei sofort und zog Noah am Arm. „Mit dir muss ich noch ein paar Takte reden! Noah, du glaubst nicht, was diese Biene hier angestellt hat, er …“

Doch Brummi unterbrach ihn freundlich. „Entschuldige, aber ich habe gerade keine Zeit, ich möchte nur kurz dafür sorgen, dass die Arche Noah nicht untergeht, einverstanden?“

Der Papagei war ganz verdutzt. „Ähm, ja, ok …?!“

Brummi sah sich nach Nero um, und als er ihn entdeckte, ging er zu ihm hinüber. „Hallo Nero.“

Nero blickte auf und war überhaupt nicht begeistert, seinen Erzfeind zu sehen. „Was machst du denn hier? Na toll, ich dachte, dich wär ich endlich los. Dann geht das Ärgern jetzt wohl wieder von vorne los, was?“

„Nein, nicht ganz“, sagte Brummi. „Ich verspreche dir, ich werde dich nur noch einmal ein klitzekleines bisschen ärgern, aber glaub mir, damit werden wir beide die Retter der Arche werden. Was meinst du, bist du dabei?“

„Was sollen wir beide schon tun?“, zweifelte Nero. „Du siehst doch, das Wasser steigt höher und höher, lang wird’s nicht mehr dauern, bis wir alle untergehen.”

„Eben, deshalb müssen wir uns beeilen. Es tut mir wirklich leid, dass ich dich immer geärgert habe. Aber jetzt kannst du mir vertrauen!“

„Na gut“, gab Nero nach. „Also, was soll ich tun?“

„Guck mal, was ich hier habe.“ Brummi hielt ihm den Lutscher hin. „Na, möchtest du ihn vielleicht ganz für dich alleine haben?“

Neros Augen wurden groß. „Auja, das wär jetzt genau das Richtige gegen meine Seekrankheit!“

„Na, dann hol ihn dir!“

Brummi hielt dem Nashorn den Lutscher vor die Nase und flog langsam Richtung Loch in der Schiffswand. Dem Nashorn lief das Wasser im Mund zusammen, es sah nur noch den Lutscher und folgte ihm wie hypnotisiert. Als die beiden bei der Schiffswand ankamen, zog Brummi den Lutscher blitzschnell zur Seite, sodass Nero nicht mehr reagieren konnte und geradewegs gegen die Wand lief. Dabei blieb er mit seinem Horn genau im Loch stecken – und kein Tropfen Wasser konnte mehr hereinlaufen.

„Gut gemacht!“, freute sich Brummi. „So, und der ist nun für dich ganz alleine!” Er steckte ihm den Lutscher in den Mund, und mit vollem Mund antwortete Nero vergnügt: „Hmmmm, danke!“

Noahs Frau kam nachsehen und rief begeistert: „Tatsächlich, das Loch ist durch das Horn wieder vollkommen verschlossen, es kommt kein einziger Wassertropfen mehr hindurch. Noah, wir sind gerettet!“

„Juchuh!“, jubelten alle.

„Das habt ihr toll gemacht!“, freute sich Noah, der nun ebenfalls hinzugekommen war. „Was für ein Glück, dass ihr beide mit an Bord seid!”

„Ja, schon erstaunlich, wie es dazu gekommen ist“, meinte Bienchen und deutete zum Nashorn. „Du wolltest zuerst nicht an Bord …“

„… und du durftest eigentlich nicht an Bord“, ergänzte Bolle mit einem Augenzwinkern in Brummis Richtung, wieder ganz freundlich gestimmt.

„Hm, und doch wart ihr beide hier und habt uns alle gerettet“, sagte Noah zustimmend. „Ich glaube, Gott ist gerade mächtig stolz auf euch!“

„Meinst du wirklich?“, fragte Brummi verlegen.

„Ja klar!“, rief der Papagei. „Genau, wie es mir ein gewisser jemand in einer Kiste erklärt hat: Gott hat dich lieb und hat geduldig darauf gewartet, dass du ihm endlich vertraust. Nur so konntet ihr uns alle retten.”

„Na dann, meine Lieben, dann kann die Fahrt ja weitergehen“, sagte Noahs Frau erleichtert.

„Wie lang ist die Reise denn wohl noch?“, fragte Nero. „Ich weiß nämlich nicht, wie lang ich hier so stehen bleiben kann.”

„Ach so, du hast recht“, überlegte Noah. „Hm, bisher hat unsere Taube kein Land entdecken können. Aber ich schick sie sofort nochmal los. Trude! Trude!“ Er sah sich suchend um. „Hm, wo ist denn unsere Taube?“

„Weißt du nicht mehr, wir haben sie doch gestern in ihr Nest gesetzt, sie brütet doch gerade!“, erinnerte ihn seine Frau. „Trude können wir jetzt nicht stören.”

„Ach so, natürlich“, nickte Noah und sah sich um, bis sein Blick auf Brummi fiel. „Brummi, wie wär es mit dir? Möchtest du uns vielleicht nochmal behilflich sein?“

„Aber selbstredend!“, rief Brummi eifrig. „Was kann ich tun?”

„Flieg hinaus, weit über das Wasser, und halt Ausschau, ob du irgendwo Land entdecken kannst.“

„Wird gemacht, Chef!“, rief Brummi und verschwand sogleich hinaus über das Wasser.

Kapitel 11: Land in Sicht

Draußen über den endlosen Wellen flog Brummi und hielt Ausschau. „Hm“, überlegte er, „da ist Wasser, da ist auch Wasser, da ist auch … LAND, da ist Land!“ Freudig sah er sich um. „Ach, wie schön, endlich. Danke, lieber Gott, das war eine tolle Reise hierher, ganz besonders für mich. Und jetzt freu ich mich, als liebe, fleißige Biene auf den Wiesen da hinten herumzufliegen, damit auch wieder ganz viele Blumen wachsen können, nicht wahr?“

Dann entdeckte er am Himmel etwas, das ihn innehalten ließ. „Oh, ein Regenbogen!“, flüsterte er fast andächtig. Schnell flog er zurück zur Arche.

„Leute, Leute, ich hab Land gesichtet, und ein riesengroßer Regenbogen steht am Himmel!“, rief er außer Atem. „Na los, lasst uns zusammen mit Gott eine schöne, bessere Welt machen!”

Und so fuhr die große Arche schließlich dem neuen Land entgegen, während sich über allem der bunte Regenbogen spannte – ein Zeichen dafür, dass ein neuer, guter Anfang beginnen durfte.

Plakat „Die Arche Noah“: gezeichnete Tiere schauen aus der Arche, Termin 11.10.2018, 9 Uhr, im Pfarrsaal St. Vincentius Beeck.
Plakat
Nahaufnahme einer Figur im Bienenkostüm auf der Bühne.
Eine Figur in weiß-braunem Gewand posiert auf der Bühne.

Für diese Produktion liegt noch kein Video vor.

Presse

Rheinische Post16. Oktober 2018

Erstmals geht es um ein biblisches Thema: die Arche Noah. Und dies ist, wie immer bei den Akteuren der Theatergruppe, mit viel Spielwitz und schönen szenischen Einfällen umgesetzt.

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Wegberg. Eltern des St. Vincentius Kindergartens in Beeck spielten für die Kinder Theater. Sie schrieben dafür das Stück „Arche Noah“.

„Es ist noch Platz in der Arche“ erschallt als eingängiger Song im Saal des Beecker Vincentiushauses und eine quirlige Schar Beecker Grundschulkinder im Publikum stimmt schnell mit ein. Die Beeckbachbühne hat wieder ein neues Stück aus eigener Feder einstudiert, erstmals geht es um ein biblisches Thema: die Arche Noah. Und dies ist, wie immer bei den Akteuren der Theatergruppe, mit viel Spielwitz und schönen szenischen Einfällen umgesetzt.

Vor fünf Jahren haben sich Eltern von Beecker Kindergartenkindern zusammengetan, um den Kindern und Eltern des Kindergartens mit einem Weihnachtsstück eine Freude zu machen. „Das hat uns so viel Spaß gemacht, das wir beschlossen, als kleines Ensemble für die Kinder weiterzumachen“, sagt Mitspielerin Bianca Althoff. Mit Stücken aus der Retorte gibt sich das Ensemble allerdings nicht zufrieden, sondern wartet stets mit Stücken „Marke Eigenbau“ auf. Für Licht- und Tontechnik gibt es mittlerweile Profi-Unterstützung (Firma KTM Kipshoven).

Drei Vorstellungen an einem Tag: Mittlerweile spielt die Laienschauspielgruppe Beeckbachbühne nicht mehr nur für Kindergartenkinder. Im Vincentiushaus gab es jetzt sogar drei Vorstellungen von „Arche Noah“: für die Kinder des Beecker Kindergartens, der Beecker Grundschule und der Wegberger Grundschule. Dabei sei es immer wieder spannend zu erleben, wie unterschiedlich Kita- und Grundschulkinder reagieren. Die Akteure, die auch versiert im spontanen Improvisieren sein müssen, stellen sich darauf ein.

Von Anfang an ist Monique Jungbluth die Autorin, aus deren Feder auch der aktuelle „Noah“ floss. „Sie kennt unsere Stärken bestens und schreibt uns die Stücke gleichsam auf den Leib“, sagt Markus Schlaak, der als vorwitzig-pfiffige Biene Brummi übrigens auch perfekt und zur Freude der Kinder Songs interpretiert, für die Kerstin Schockert, die auch singt, verantwortlich zeichnet. Und mit Stefan Bimmermann als Begleiter am Keyboard kann nichts schiefgehen.

Seit Ostern üben die Akteure, zu denen neben den genannten noch Heike Kresken, Bärbel Hamacher, Sandra Bolten-Tillmanns und Markus Bings gehören. „Wir sind vorher immer schon gespannt, was Monique sich wieder hat für uns einfallen lassen“, sagt Bärbel Hamacher. Als Erzieherin im Beecker Kindergarten ist sie die einzige Akteurin, die heute noch aus dem Kindergarten kommt, denn die früheren Kita-Eltern sind mittlerweile alle Eltern von Grundschulkindern – die seit längerem neben den Kita-Kindern auch eingeladen sind. Bislang ging es mit den Stücken ins Zirkus-, Piraten- und Bauernmilieu. Diesmal versammeln sich neben Noah und seiner Frau das Nashorn Nero, die drei Bienen Brummi, Bienchen und Bolle und ein bunter Papagei zum Zusammenzimmern der Arche und laden noch viele andere „gute Tiere“ ein, um nach der Sintflut mit ihnen die neue Welt aufzubauen.

Erleichtert reagieren die beiden Bienen-Damen, als sie erfahren, dass sie nicht erst das Seepferdchen machen müssen, um in der Arche mitgenommen zu werden, schließlich kümmern sich die nützlichen Flügelwesen um Blumen und Pflanzen und sorgen für leckeren Honig auf dem Brot. So wird mit dem Spaß auch ein Schuss Naturkunde ins Spiel gemischt. Ebenso wie das Thema Religion, denn „Gottes Wort“ wird aus dem Off eingespielt, und der „blinde Archen-Passagier“ Brummi erfährt, „dass Gott mich lieb hat“. Als das Loch in der Arche dank Nashorn Nero, das kurzentschlossen sein Horn ins Loch steckt, schließlich doch nicht zum Untergang führt und Land in Sicht ist, sind alle glücklich.

Viele tierische Bewohner der Arche, die nicht als Rollen besetzt werden konnten, wurden als Bilder aufgeklebt – dafür und für das schöne Bühnenbild und die fantasiereichen Kostüme zeichnete Tanja Nippert verantwortlich. Als gute Geister hinter den Kulissen trugen Christoph und Nicola Lehmann zum Erfolg bei.

Angelika Hahn

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